Masurische Seen
im Sommer 1998

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Start der Kanutour: Am Samstag, dem 8. August in der Nähe von Sorkwity (an der Strasse 16), in Jedrychowo (Heinrichshöfen) am Lampasz-See

Ziel unserer Kanutour: Am Donnerstag, dem 13. August 98 in Mikolajki (Nikolaiken) am Talty (Talter Gewässer)

Wir haben uns von meiner Kollegin Informationsmaterial über Masuren und Polen geholt und uns nach Durchsicht der Prospekte für eine Kanutour über verschiedene Flüsse und insgesamt 18 Seen der Masurischen Seenplatte entschieden. Die Tour hat eine Länge von etwa 100 Kilometern. Die Strecke ist in der Touristenkarte des polnischen Verbandes für Touristik und Landeskunde – PTTK beschrieben. Sie diente uns als Grundlage für diesen Kurzurlaub. 

Erster Tag - Fotos

Der Morgen begrüßt uns mit Sonnenschein und blauem Himmel. Es ist angenehm warm und wir genießen das Frühstück in der Morgensonne. Danach werden alle Sachen zusammen gepackt und zum Wasser hinunter getragen. Wir hatten bei unserer Ankunft gestern Nachmittag die Erlaubnis der Eigentümer bekommen auf ihrer Wiese zu  übernachten. Das Auto stellen wir bei ihnen auf dem Bauernhof ab und dann geht’s hinaus auf den See.

Es herrscht ein kräftiger Wind, der in etwa Stärke 5 erreicht, aber zum Glück von hinten kommt und uns kräftig vor sich herschiebt. So haben wir schon nach kurzer Zeit (gegen 12.15 Uhr) das Seeende erreicht und paddeln auf dem schmalen Fluss Sobiepanka (Länge 1,5 km) weiter.

Auf dem Biale-See laufen wir um 14.30 Uhr den ersten Lagerplatz Bienki am westlichen Ufer an. Unser Zelt schlagen wir nahe am Steg auf, der Platz ist sehr voll und wir stehen mit unserem Zelt etwas ungünstig. Warmes Wasser gibt es nur zu bestimmten Zeiten und duschen kann man auch nur mit Schlüssel. Aus dem Duschen wird heute leider nix, da die schlüsselgewaltige Frau nicht da ist. So werden wir wohl am nächsten Tag weiterziehen und vertreiben uns die Zeit bis zum Zubettgehen mit Federballspiel.

Zweiter Tag

In der vergangenen Nacht hat es häufig und kräftig geregnet. Gegen morgen frischt der Wind derart auf, dass es uns die Zeltnadeln aus dem Boden zieht (ich hatte keine Heringe, sondern nur Zeltnadeln benutzt, da wir auf Rasen stehen und mir der Boden fest genug erschien). Bei den Vorbereitungen zum Frühstück weht es uns sogar das Kaffeepulver aus dem Filter heraus.

Dann geht es ans Zelt aufräumen und abbauen und gegen 10.30 Uhr sind wir startklar. Ich creme mich trotzdem vorsichtshalber mit Sonnenschutz ein, meine Haut hat gestern doch arg gelitten. Der kräftige Rückenwind schiebt uns über den Biale- und den Gant-See. Am frühen Nachmittag erreichen wir das Lager Babieta am Fluss Babiecka Struga. Hier hole ich Eis für Arian und mich. Einen Unterstand haben wir auch dringend nötig, denn jetzt gießt es erst einmal richtig. Der Platz ist zum Zelten nicht sonderlich geeignet, man muss das ganze Gepäck den Berg hoch schleppen und danach auch noch über den ganzen Platz. Darauf haben wir partout keine Lust, es ist ja auch noch früh am Tage, also paddeln wir weiter bis zur 500 Meter entfernten Mühle.

Hier müssen wir das Boot ausladen und alles Material etwa 60 Meter über die Strasse 601 transportieren. Der Verkehr hält sich im Gegensatz zur Beschreibung in der Touristenkarte doch in Grenzen, dann vergreifen wir uns an den Vorräten.

Ein paar Kilometer weiter finden wir im Wald gegen 16 Uhr ein einsames Plätzchen etwa 500 m vor der Einmündung des Babiecka Struga in den Zyzdroj-Maly-See. Mit dem Zeltaufbau müssen wir uns beeilen, der nächste Schauer lässt nicht lange auf sich warten. Für das Lagerfeuer ist Arian schon zu müde, wie ich mein Bad im Fluss nehme und danach ins Zelt komme, schläft der kleine Kerl schon tief und fest.

Dritter Tag - Fotos

Nachts gegen 1.30 Uhr verlassen Regina und ich mal kurz das Zelt. Draußen ist es bei sternklarem Himmel und Vollmond so hell, dass man Zeitung lesen könnte. So etwas habe ich noch nicht erlebt.

Morgens werden wir alle gegen 7.30 Uhr wach und genießen den morgendlichen Sonnenschein. Strahlend blauer Himmel, soweit man blicken kann. Leider stehen wir gut geschützt im Wald und somit auch im Schatten. Nach dem Frühstück machen wir Wasser warm und waschen uns die Haare.

Wie wir schließlich alles zusammen packen und im Clipper verstauen, suchen wir Arians Jonny Tut-Tut. Gestern Abend lag es noch neben dem Zelt, heute früh ist es weg! Die Zargesboxen hatte ich natürlich - wie jeden Abend – mit dem Stahlseil wieder unter dem Clipper vertäut. Nur Arians Spielsachen lagen ungesichert am Zelt. Später stellen wir bei einer Rast an einer Flussbadestelle fest, dass auch Arians Buddelzeugs fehlt. Wir hatten es in einem Stoffbeutel ebenfalls neben das Zelt gelegt.

Das Zelt ist abgebaut und alles im Clipper verstaut, da bekommen wir noch Besuch von Familie Schwan. Arian füttert sie mit Brot hat aber trotzdem ordentlichen Respekt und wahrt seinen Sicherheitsabstand. Wie die Schwäne endlich satt sind, können auch wir um 11.30 Uhr weiter ziehen.

An einer Flussbadestelle entsorgen wir unseren Müll (natürlich in den Müllkontainern!) und Regina besorgt etwas zu trinken. Am Ausfluss des Spychowska Struga aus dem Zyzdroj Maly will eine stillgelegte Schleuse umtragen werden. Zu unserem Glück steht hier ein alter Mann mit seinem Bootswagen. Für 2 Zloty dürfen wir seinen Bootswagen benutzen, ich gebe ihm 4, da es mit seinem Trailer wirklich gut geht.

Am Basislager des PTTK in Spychowo kauft Regina Bier und Pizza ein, hier rasten wir einen Moment. Den folgenden See Spychowskie verlassen wir gleich wieder und fahren links in den Spychowska Struga ein. Unter der nächsten Straßenbrücke (Strasse 602) soll sich dieser kleine Fluss in einen gefährlichen, reißenden Fluss verwandeln (lt. Touristen Karte), was ich aber doch für starken Tobak halte. Trotzdem fahre ich die Stelle alleine, da hier große Klamotten unter der Brücke liegen. An der Flussmündung in den See Zdruzno empfängt uns heftiger Gegenwind und eine passable Welle. Wir müssen nur wenige 100 Meter nach rechts in Richtung Uplik-See schaffen, aber das ist doch ein ordentliches Stück Arbeit. Zum Glück sind die Wellen noch nicht so hoch, dass sie uns ins Boot schwappen.

Vor der nächsten Brücke legen wir hier rechts an und kaufen im nahen Laden ein. Gegenüber befindet sich an der Strasse eine Badestelle, hier stehen auch zwei Zelte, laut Karte befindet sich hier ein Campingplatz. Uns zieht es aber weiter zum Mokre-See, an dessen Südufer bei Zgon (an der Strasse 611) ein großer Campingplatz ist. Wir sind allerdings nicht begeistert, die Sanitäreinrichtungen sind unter aller Sau! Da steht man beim Wildcamping doch wesentlich besser. Ich hasse Plumpsklos !!! Was soll‘s, wir bauen auf und beschließen sogleich morgen weiter zu paddeln. Wenigstens war das Wetter heute recht ordentlich, allerdings sehr windig. Arian düst bis 22 Uhr in der Dunkelheit über den Platz und spielt mit anderen Kindern Schwäne füttern.

Vierter Tag

Wie sollte es auch anders sein, heute ist der Himmel wieder zugezogen, aber der Wind ist wenigstens eingeschlafen. Auch wir haben gut geschlafen und anschließend in aller Ruhe gefrühstückt. So überwinden wir die 8 Kilometer über den See Mokre ohne Probleme und fahren an seinem nördlichen Ende in den Krutynia-Fluss ein. Dazu müssen wir allerdings erst ein Wehr umtragen, das den Ausfluss aus dem See versperrt. Keine Hürde, es sind nur etwa 20 Meter, die wir mit unserem Material zurücklegen müssen. Am östlichen Ufer haben wir zwei gute Stellen zum Zelten gesehen, die zweite sogar mit kleinem Sandstrand etwa 2 Kilometer vor dem Wehr auf einer kleinen Landzunge.

Um 14.30 Uhr legen wir kurz vor Krutyn an. Hier finden wir eine Schachtel mit Regenwürmern – Arian ist glücklich! Hinter dem Ort erwartet uns dann eine mächtige Baumleiche, die sich quer über den Fluss gelegt hat und die gesamte Durchfahrt versperrt. Zu allem Unglück verlässt mich meine Frau und ohne sie passe ich unter dem Baum leider nicht durch. Ausladen und Umtragen, also dazu hab‘ ich nun wirklich keine Lust. Auf meine Bitte hin steigt sie dann doch wieder zu und so quetschen wir uns mit knapper Müh‘ und Not drunter durch. 

Etwa 3 Kilometer hinter dem Ort zwängt sich der Fluss durch eine alte Mühle. Hier stehen aber zum Glück dienstbare Wegelagerer mit Bootswagen bereit und harren fauler Paddler, um sich zu bereichern. Die 100 Meter schaffen wir mit dem Bootswagen ganz gut, aber die 10 Zloty, die ich dem Burschen in die Hand drücke, lösen eine wahre Bettelorgie aus, die sich erst nach weiteren 5 Zloty in Wohlwollen auflöst.

Abends erreichen wir dann den Ort Ukta und suchen den Campingplatz wenige Kilometer hinter dem Dorf auf. Hier müssten wir aber unsere Ausrüstung quer über den Platz schleppen und außerdem neben dem eigentlichen Campingplatz unser Zelt aufbauen. Nein, danke!

So entschließen wir uns spontan, den 6 Kilometer entfernten Campingplatz "Nowy Most" des PTTK anzulaufen (nicht auf der Karte eingezeichnet). Es ist schon spät und so legen wir die letzten Kilometer in der untergehenden Sonne mit hoher Schlagzahl zurück, bis wir endlich gegen 20.30 Uhr bei einbrechender Dunkelheit den Platz erreichen. Über dem Fluss steigt schon langsam Nebel herauf. Sechs Kilometer auf dem Fluss können auch verdammt weit sein! Unterwegs begegnet uns in der hereinbrechenden Dunkelheit ein Elch, der im Sumpf neben dem Fluss auf Futtersuche ist.

Heute haben wir uns ein Mammutprogramm zugemutet und so entschließen wir uns spontan eine freie Hütte auf dem Platz unmittelbar am Wasser für 84 Zloty pro Tag zu beziehen. Wir wollen hier auch noch morgen einen ruhigen Tag verbringen, denn der Platz macht einen ganz guten Eindruck auf uns.

Unser Material schleppen wir in die Hütte (Haus Nr. 13) und bereiten das Abendessen zu. Arian hat sich Bratkartoffeln gewünscht, die wir draußen auf unserer kleinen Terrasse zubereiten.

Fünfter Tag - Fotos

Wir schlafen heute lange aus und vermeiden jede Hektik. Dieser Tag ist nur zum Faulenzen da. Das Wetter verwöhnt uns ebenfalls, es verspricht ein sehr schöner Tag zu werden. Statt Frühstücksbrötchen bekomme ich geschnittenes Graubrot und Landkarten von Masuren. Für 100 g Brot bezahle ich 50 Groschen, für die beiden hervorragenden Karten 7 und 9 Zloty. Macht nix, das Brot schmeckt ganz gut und wir haben ja auch noch unsere Vorräte. Die sind übrigens schier unerschöpflich. Wie schon auf den voran gegangenen Touren, so haben wir auch diesmal wieder zuviel eingepackt. Unsere Vorräte würden glatt für drei oder vier Wochen reichen. Tisch und Stühle stellen wir zum Frühstücken nach draußen auf die Veranda.

Gestern abend hat Arian kurz vor dem Steg eine Pose im Fluss gesehen, die holen wir uns jetzt mit dem Clipper. Arian verbringt den Vormittag damit, seine Regenwürmer im Fluss zu baden. Ich nehme gegen Mittag auch ein Bad im Fluss, es macht Spass langsam gegen die Strömung zu schwimmen und letztlich nicht vom Fleck zu kommen. Das Wasser ist glasklar und lausig kalt. Arian hat eine große Klappe, bis er seinen Zeh ins Wasser gehalten hat, danach ist ihm die Lust auf‘s Baden vergangen. Der Fluss ist hier am Steg schon etwa 2 – 3 Meter tief. Regina fotografiert uns und liest ihren Stern auf dem Steg in der Sonne. Arian setzt sich in den Clipper und ich lasse ihn an der 30 Meter Leine im Fluss treiben. Mit seinem neuen Paddel manövriert er auf dem Fluss herum. Das macht ihm richtig Spaß, den Clipper wie Papa zu lenken.

Ich habe derweil im Haus das Wasserwerk in Betrieb genommen und fülle den Wassersack und Kanister auf. Jetzt kommt unser Angler mit seinem ersten selbst gefangenen Fisch am Haken angelaufen. Da er den Fisch auch essen will, schneidet er ihm Kopf und Schwanz ab und ich zeige, wie er ausgenommen und entschuppt wird. Dann brate ich das Fischlein in der Pfanne kross. So kann man ihn mit Haut und Gräten essen. Am Nachmittag fängt Arian einen zweiten Fisch, leider wieder nur solch einen Winzling. Auch der wandert sofort in die Pfanne.

So faulenzen wir den gesamten Tag und schöpfen neue Kraft für Morgen. Deutsche Kanuten berichten uns, dass in Deutschland 36–38°C herrschen. So warm wird es in Masuren selten, die Gegend ist der "Kühlschrank" Polens. Hier ist es immer etwas kühler wie im übrigen Land.

Sechster Tag

Regina kommt vom Einkauf mit 4 Brötchen und 6 Scheiben Brot zurück. Ich decke den Frühstückstisch, Arian ist schon wieder auf dem Steg und angelt, derweil Regina unter der Dusche verschwindet. Der Himmel begrüßt uns heute wieder mit Wolken verhangen, es ist allerdings spürbar wärmer geworden.

Nach dem Frühstück bezahlt Regina die Hütte und wir beladen das Boot. Die Tour führt uns weiter auf dem Fluss Krutynia zum Gardynskie- und Malinowko-See. Kurz vor dem Beldany-See machen wir auf einem Biwakplatz in Iznota eine kurze Rast und nehmen ein zweites Frühstück ein. Eine kleine schwarze Katze hat gefallen an unseren Wurstbroten gefunden und sitzt erwartungsvoll auf dem Tisch. Den Beldany-See paddeln wir in nordöstlicher Richtung zum Mikolajskie-See. Das Wetter ist leicht diesig und warm. Hier sind bei schwachem Wind viele Segler unterwegs.

Mikolajki erreichen wir gegen 15.30 Uhr und legen hinter dem Ort am Hotel Golebiewski an. Jetzt beginnt es zu regnen. Ich hinterlasse im Hotel eine Nachricht für unsere Freunde und fahre mit dem Taxi zum Bahnhof. Arian begleitet mich auf dem Weg zum VW-Bus, derweil Regina beim Clipper bleibt. Der Zug (die Fahrkarten kosten 6,45 Zlt) fährt pünktlich um 16.50 Uhr ab und erreicht um 17.36 Uhr Sorkwity. Kaum haben wir uns Proviant vom Baum gepflückt, werden wir Anhalter auch schon die 3 Kilometer nach Jedrychowo mitgenommen. Ich gebe der Frau auf dem Bauernhof 40 Zloty für das Beaufsichtigen und Abstellen unseres Autos.

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Weitere Aufnahmen unserer Reise nach Masuren stammen von der Wolfsschanze und der Marienburg an der Nogat. Feinschmeckern unter den Besuchern sei auch das folgende Rezept empfohlen: Wildschweinrücken auf masurische Art

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Kartenmaterial:

Anfangs habe ich mich nach dem Touristenführer des PTTK "Krutynia-Paddelbootfahrt" gerichtet, der die Strecke ganz gut beschreibt. 

Auch die Kartenskizzen sind recht brauchbar. Später habe ich die Touristenkarte "Pojezierze Mazurskie" (ISBN 83-903980-7-9) im Maßstab 1:100.000 benutzt. Die Touristenkarte "Grosse Masurische Seen" (ISBN 83-7000-219-9), ebenfalls im Maßstab 1:100.000, ist in einigen Bereichen noch besser wie die erstgenannte Karte, so verfügt sie z.B. über Koordinaten und auch die alten deutschen Namen. Beide Karten enthalten außerdem  zahlreiche Erklärungen und Hinweise zu den Orten.

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