Nach dem Frühstück laden wir die Reste unserer Ausrüstung ins Auto und den Dagger Vesper aufs Dach und um 11 Uhr geht's los. Wir holen den Clipper ab und weiter geht's auf der Autobahn über Oranienburg gen Norden. In Löwenberg fülle ich den Reservekanister auf, Bullys Tank bekommt jetzt noch nichts, da ich ihn wieder mit leerem Tank auf dem Campingplatz abstellen werde.
Gegen 14 Uhr haben wir nach ruhiger Fahrt und der obligatorischen Umleitung die Kanustation von Nordlicht in Fürstenberg an der Havel erreicht.
Hier kaufe ich die folgenden Karten:
Dann fahren wir weiter zum Campingplatz "Am Röber" in Fürstenberg unmittelbar am Röblinsee gelegen.

Eingang zum Campingplatz "Am Röber" in Fürstenberg/Havel
Der Platz ist sehr schön, keine 5 Sterne, aber Rasen und Schatten spendende Bäume unmittelbar am Wasser gelegen. Es sind auffallend wenige Camper da, so haben wir freie Platzwahl (GPS N 53°11.211' E013°07.775'). Erst gegen 17 Uhr trifft eine größere Gruppe Kanuten ein. Schnell das Zelt aufgebaut und dann ab ins Wasser. Der Sprung ins frische Nass verzögert sich allerdings noch ein wenig, da beim Zeltaufbau eine Stange bricht. Ausgerechnet die, die ich erst beim letzten Mal gegen ein verbogenes Segment ausgewechselt habe. So was ist ja beim Sherpas Dome Plus in wenigen Minuten erledigt und nun geht's aber fix zum Wasser.
Verflucht, was ist denn das? Ich steige ins Wasser und vermisse die ersehnte Abkühlung. Der See hat hier eine Wassertemperatur von sage und schreibe 28°C, das ist ja nun wirklich keine Erfrischung mehr. Oder ist unser kleines Badethermometer etwa einem Hitzschlag erlegen?

Campingplatz "Am Röber" in Fürstenberg/Havel
Mittlerweile sind uns - wir haben leider unsere "Waschsalons" zu Hause vergessen - auch alle unsere Sünden eingefallen, aber ohne Waschen und Zähne putzen geht es natürlich nicht. Also laufen wir den einen Kilometer in den Ort. Vorher bezahle ich aber noch den Campingplatz für zwei Tage und bestelle für morgen früh 4 Brötchen. Inklusive Strom werden für Vater & Sohn, Zelt und Bully genau 9,50 Euro pro Tag fällig. Der Preis liegt durchaus noch im grünen Bereich.

Campingplatz "Am Röber" links Eingang, rechts Sanitärhaus
Seife, Zahnbürsten, Zahnpasta, Dusch- und Haarwaschmittel und ein wenig Gemüse fürs morgige Frühstück kaufen wir im Supermarkt ein. Danach geht's gleich weiter in die Gastwirtschaft. Unser Ziel ist "Der Holzwurm" (Tel. 033093 61661) an der Kirche gelegen. Schnell eine große Sprite für Arian und ein Bier für mich geordert, sonst dehydratisieren wir bei der Hitze noch. Ratz Fatz ist Sprite und Bier verdunstet, da müssen Neue her! Wie immer ist die 0,4 Liter Sprite mit 3,00 Euro teurer wie mein 0,5er Bitburger für 2,70 Euro. Ich schaffe meinen Hering mit Bratkartoffeln (6,50€) und helfe Arian anschließend noch bei seinem Backcamembert mit Preiselbeeren (4,50€). Den Holzwurm kann ich an dieser Stelle nur empfehlen! Jetzt sind wir beide aber satt und schleppen unsere vollen Bäuche samt Einkauf zum Campingplatz zurück.

Gastwirtschaft "Der Holzwurm" in Fürstenberg/Havel
Danach gehe ich unter die kalte Dusche. Herrlich, das mobilisiert die Lebensgeister. Warm Duschen ist auch ohne Münzeinwurf (sind auch keine Automaten verfügbar) möglich, obwohl auf Schildern der Kauf von Marken für die warme Dusche empfohlen wird.
Tag 2 im Juli 2006
Heute scheint mal nicht die Sonne aufs Zelt und so können wir in Ruhe bis um 7:30 Uhr ausschlafen. Es ist auch immer noch sehr ruhig auf dem Platz, auch Arian schläft noch. Ich verlasse ein erstes Mal das Zelt, kehre aber bald zurück und lege mich noch bis um 8:30 Uhr hin. Dann ist auch Arian wach und holt die 4 Brötchen ab, die wir gestern auf dem Campingplatz bestellt haben.
Um 13 Uhr rückt die freiwillige Feuerwehr an. Nachdem der Standplatz bestimmt ist, kommen die Jugendlichen und bauen ihre Zelte auf. Arian hat sich jetzt seine erste 5 Minuten Terrine mit Kartoffelsuppe zubereitet. Die Tüte Storck Riesen hat er ja auch schon fast geschafft, ich sehe nur noch leeres Bonbonpapier herumliegen.

Total relaxed
Endlich hat sich mein Sohn zum Abendessen entschieden und wir machen uns auf den Weg. Die Pizzeria in Fürstenberg (Bella-Napoli, Brandenburger Str. 19, Tel. 033093 61984) verfügt über einen Hinterhof, wo man ruhig und vor allem unter Sonnenschirmen im Schatten sitzt. Die erste Order ist ein Bier und eine große Sprite. Ich gönne mir eine Pizza Speziale (6,50€) und Arian eine mit Salami (5,00€). Allerdings sind die Teile eher halbe Wagenräder, die da angerollt kommen. Ich schaffe meine mit Hängen und Würgen, Arian kapituliert schon nach der Hälfte.
Wieder auf dem Platz angelangt, verzieht sich Arian sofort in die Hängematte. Ich mache noch ein paar Fotos von der Abendstimmung auf dem See dann geht es auch schon zur kleinen Nachtwäsche und anschließend ins Zelt.

Abend am Röber
Tag 3 im Juli 2006
Um 7:30 Uhr wird mir plötzlich warm im Zelt und ich stehe schnell auf. Arian ist noch im Halbschlaf versunken. Zuerst die Toilettenrunde, dann hänge ich den Akku der Kamera noch mal ans Netz. Vorher aber spiele ich den ersten Schwung der Bilder auf die mobile Festplatte. Dann wird auch langsam Arian munter und geht zum Sanitärhaus. Auf dem Rückweg geht er beim Platzwart vorbei. Wir haben zwar gestern Abend keine Brötchen bestellt, aber bekommen trotzdem noch vier Stück ab.
Das Beladen der Boote zieht sich schier endlos hin, aber um 11:30 Uhr sind wir endlich startklar. Nun geht es am Ufer des Röbersee entlang zur Einmündung der Steinhavel. Vor der Schleuse Steinhavel müssen wir ungefähr 15 min warten, dann quetschen wir uns mit drei anderen Paddelbooten zu den Motorbooten in die Schleusenkammer. Das Schleusen ist für uns kostenlos. An der Schleuse liegen immer noch die Altlasten der DDR in Gestalt einer alten Getreidemühle und entstellen die Landschaft.

In der Schleuse Steinhavel
Da das zwei Kilometer später erreichte Wirtshaus Steinförde hundert Meter vom Wasser entfernt liegt, wird es leider nichts aus den versprochenen kalten Getränken und so rasten wir um 14 Uhr an der Einmündung der Havel in den Ziernsee. Hier ist eine Sitzgelegenheit und baden kann man bei sandigem Untergrund auch. Während ich ein Bad nehme, bereitet Arian schon die 5 Minuten Terrinen zu. Dazu gibt es ein paar dieser kleinen Salamis und das letzte Brötchen von heute früh.

Rast an der Steinhavel/Ziernsee
Danach geht es sofort weiter zur Schleuse Strasen-Priepert.

An der Gastwirtschaft "Zum Löwen"
Um 17:30 Uhr sitzen wir in der Gastwirtschaft "Zum Löwen" (Hotel & Restaurant, 17255 Strasen, Schleusengasse 11, Tel. 039828 20285, Fax -20391) hinter der Schleuse Strasen-Priepert (zwischen Ellbogensee und Pälitzsee) und warten auf Arians Cappucchino und mein kühles Hefeweizen. Kaum zwei Minuten sind vergangen und schon rinnt es mir herrlich kühl durch die Kehle. Mmmhh, tut das gut! Arian hat sofort nach gelegt und sich einen Apfelstrudel bestellt. Nachdem der Himmel heute meist bewölkt war, scheint seit ungefähr drei Stunden wieder die Sonne. Auf meinen Oberschenkeln weicht die vornehme Blässe so langsam aber sicher einer zunehmenden Rötung.

Arian im Kajak Dagger Vesper
Auf dem Wasser kehrt jetzt langsam Ruhe ein, jeder hat wohl inzwischen sein Plätzchen gefunden. Nur wir leider noch nicht. Seit dem Nachmittag ist der Himmel zunehmend aufgeklart, so dass jetzt keine Wolke mehr zu sehen ist.

Rolf im Clipper von Western Canoeing
Der Campingplatz (GPS N 53°11.823' E012°56.105', Campingplatz C18 am Kleinen Pälitzsee, 17255 Canow, Tel. 039828/20220) ist dann endlich kurz nach 20 Uhr erreicht. Leider für Wasserwanderer kaum geeignet, da in Wassernähe nur ein schmaler Uferstreifen frei ist, der eher einem Acker gleicht - wenn ich da nur an den Platz in Fürstenberg denke ... Toilettenpapier gibt es in dem neuen Sanitärhaus übrigens nicht, da es ja geklaut werden könnte, wie uns auf Nachfrage vom Platzwart erklärt wird! Nicht nur Warmes sondern auch kaltes Wasser zum Duschen muss hier bezahlt werden. Dazu ist der Platz am Wasser ein einziger Acker und sehr sandig. Von hier erfordert das Erreichen der Toiletten schon ein wenig Kondition. Wohl dem, der sein Bedürfnis frühzeitig erahnt und sich rechtzeitig auf den Weg macht. Allerdings wird im hinteren Teil des Platzes ein weiteres Sanitärhaus gebaut. Hier liegt auch das Bootslager einer Kanustation.
Tag 4 im Juli 2006
Um 5:15 Uhr ist es noch sehr frisch am Wasser und es weht ein kühler Wind. Keine Sonne weit und breit, da werden wir hoffentlich in aller Ruhe ausschlafen können, zumal wir sicher bis gegen Mittag durch Bäume gegen die Sonne geschützt sind.

Campingplatz am Kleinen Pälitzsee
Um Neun Uhr werden wir wach und gehen zusammen zum Waschhaus. Anschließend sagt mir Arian, dass er heute doch noch hier bleiben will, da er von Gestern noch so geschafft ist, dass ihm sein Rücken weh tut. Kein Problem, sage ich ihm, dann bleiben wir noch und können den heutigen Tag ganz entspannt angehen.
Um 11 Uhr ziehe ich mich dann an und bereite das Frühstück vor. Arian geht zur Rezeption und bezahlt den Platz für einen weiteren Tag, bekommt aber leider keine frischen Brötchen mehr, da der Laden zwischen 11 und 16 Uhr geschlossen hat. So müssen wir zum Frühstück mit Vollkornbrot vorlieb nehmen und werden hoffentlich zum zweiten Frühstück nach 16 Uhr noch frische Brötchen bekommen.
Nach dem Frühstück (12:41 Uhr) legt sich Arian wieder ins Zelt und liest, derweil ich an diesem Tagesbericht schreibe. Die bisherigen Aufnahmen der A2 sichere ich wieder im Sanitärhaus auf der mobilen Festplatte. Um 15:14 Uhr treibt Arian dann der Hunger aus dem Zelt. Ich bin ja mal gespannt, woran er sich jetzt vergreift, da ja die Gummisachen und die Storck Riesen Bonbons schon alle sind. Also mache ich heißes Wasser für ein Süppchen. Danach wird weiter nach allen Regeln der Kunst gefaulenzt.
Mittlerweile ist es 16 Uhr geworden und Arian kauft 4 Brötchen und einen Liter Milch ein. Unser zweites Frühstück! Anschließend wird weiter gefaulenzt, da wir bei der Nahrungsaufnahme bis an unsere Leistungsgrenze gegangen sind. Ach ja, wer da glaubt, dass faulenzen einfach nur Nichtstun ist, der sei eines besseren belehrt! Faulenzen kann auch sehr anstrengend sein, so anstrengend, dass ich vorhin doch tatsächlich vor Erschöpfung eingeschlafen bin! Arian ist ebenfalls total geschafft und schläft auch wieder im Zelt ein.

Campingplatz am Kleinen Pälitzsee
Der Wind hat sich jetzt am Abend gelegt und am Himmel ist leichte Bewölkung aufgezogen. Die heutige Tagestemperatur war auch sehr angenehm und nicht mehr so hoch wie noch die letzten Tage.
Nicht nur Dresden lag früher im Tal der Ahnungslosen, sondern auch unser Campingplatz und das sogar noch im Jahr 2006! Auf dem Campingplatz gibt es keinen Empfang der Mobilfunknetze. Somit fällt die allabendliche Wasserstandsmeldung an die Heimat aus. Dafür sieht man von Zeit zu Zeit ratlose Touristen mit dem Handy in der Hand auf der Suche nach Empfang über den Platz irren.
Zum Abendbrot holt uns Arian zwei Magnum Eis und ich bereite zwei Tassen Suppe mit Ei zu. Schon eine sehr individuelle Zusammenstellung unseres Abendessens. Frauen könnten jetzt in die Versuchung kommen zu sagen: "Typisch Mann", aber ihnen sei versichert: Es schmeckt!
Tag 5 im Juli 2006
Ein herrlicher Morgen bricht an. In der Nacht war es endlich mal nicht mehr so warm wie in den vergangenen Wochen und wir konnten im Schlafsack bleiben. Draußen sind auch schon die Krähen wach und veranstalten einen heiden Lärm auf dem ansonsten noch ruhigen Platz. Jetzt am Morgen ist es noch windstill, ich hoffe dass es heute so bleibt, damit wir nicht gegen den Wind ankämpfen müssen. Allerdings ist das eher unwahrscheinlich, da wir in Richtung Rheinsberg fahren werden. Der Campingplatz am Tietzowsee ist unser Ziel, von dem Sascha und ich im Frühjahr 1990, kurz nach dem Fall der Mauer, unsere erste Kanutour über Mecklenburger Seen begannen. Mal sehen, wie es heute dort aussieht.

Auf dem kleinen Pälitzsee
Wir kennen das ja schon, es zieht sich immer wie Kaugummi hin bis wir endlich unsere Plünnen gepackt haben und loskommen. Um 12:30 Uhr brechen wir dann in Richtung Schleuse Wolfsbruch im Hüttenkanal auf. Der starke Wind von Gestern hat sich zum Glück gelegt, aber es ist heute überwiegend bedeckt, also ideales Paddelwetter. Arian schmerzt noch sein Rücken, er hat jetzt zusätzlich mein Sitzkissen als Polster im Rücken. Zuerst einmal verliere ich die Orientierung und fahre in die falsche Bucht ein. Also umkehren und jetzt gegen den Wind das kurze Stück zurück. Im Hüttenkanal ist etwas mehr Verkehr, da hier die neu angelegte Marina Wolfsbruch liegt, wo die Motoryachten eines großen Bootsverleihers liegen.

Schleuse Wolfsbruch im Hüttenkanal
Der Zerstörer vom Tietzowsee
An der Ausfahrt des Hüttenkanals lassen wir den Großen Prebelowsee rechts liegen und biegen sofort links in die kleine Durchfahrt zum Tietzowsee ein. Trotz des herrlichen Wetters liegt plötzlich völlig überraschend eine Nebelbank vor uns auf dem See. Langsam schluckt uns der Nebel, während sich dumpfes Motorengeräusch nähert. Wie wir noch versuchen die Richtung zu bestimmen, aus der sich das Geräusch nähert, taucht auch schon vor uns ein schwarzes Boot aus dem Nichts auf. Um Himmelswillen, der Zerstörer vom Tietzowsee! Vier finstere Krieger mit gehörnten Helmen stimmen ihren Schlachtruf an. An Flucht ist nicht mehr zu denken, die johlende Meute hat uns längst ausgemacht. Kaum sind sie querab, trifft uns auch schon eine volle Breitseite. Wie auf dem Präsentierteller sind wir ihnen schutzlos ausgeliefert. Mit wuchtigen Paddelschlägen versuchen wir zu entkommen. Zwecklos, wir liegen in Reichweite ihrer Wasserkanonen. Unter Siegesgeheul und lautem Gelächter verschwindet der Zerstörer so schnell wie er gekommen ist, als sei's nur ein Spuk gewesen. Hab' ich das etwa alles nur geträumt?
Kurz vor 15 Uhr erreichen wir den Campingplatz Eckernkoppel (D104/C36) am Ufer des Tietzowsee (www.eckernkoppel.de war aber z.Zt. der Drucklegung noch nicht aktiv) GPS N 53°09.947' E012°52.430'. Standplatz aussuchen, einchecken und Zelt aufbauen gehen mittlerweile schon recht routiniert von statten. Während Arian das Zelt einräumt, bereite ich unser Mittagessen vor. Heute gibt es Spaghettis mit Carbonara al Gusto mit Sahne und Speck. Während die Spaghettis kochen, ist Arian im Zelt eingeschlafen. Wovon ist mein tapferer Kerl nur so müde? Zum Essen muss ich ihn aber wecken und aus dem Zelt scheuchen.
So, es ist mittlerweile 17:03 Uhr und laut Arians Aussage soll es jetzt frische Gerstenkaltschalen auf dem Campingplatz geben. Das werde ich sofort überprüfen. Wir sind in der ehemaligen DDR! Der Kiosk ist geöffnet, leise dudelt die Musik aus dem Ghettoblaster, aber es ist niemand da! Na gut, ich warte, oder soll ich mir mein Bier selber zapfen? Das Glaspfand beträgt übrigens 2 Euro, in der Gegend wird wohl alles geklemmt, was nicht niet und nagelfest ist.
Das Wetter hat sich wieder zum Guten gewandt, lockere Bewölkung bei viel Sonnenschein und leichtem Wind. Auf jeden Fall ist diese brüllende Hitze gepaart mit hoher Luftfeuchtigkeit endlich vorüber. So lässt es sich schon wesentlich besser aushalten.

Campingplatz Eckernkoppel (D104/C36) am Tietzowsee
Soeben (18:10 Uhr) fährt ein Ausflugsdampfer in Richtung Rheinsberg am Campingplatz vorbei. Arian hat sich mit seinen Roman zu mir gesetzt und während ich mich am Bier labe, schmökert er in "Die Nadel" von Ken Follet. Auf dieser Reise hat er von mir 25 Euro zur freien Verfügung bekommen, damit er nicht bei jeder Kleinigkeit Papa anpumpen muss. Vorhin hat er mir dann seine Version des Sponsorings verraten: Papa zahlt trotzdem alles, denn dieser schöne neue Zwanziger und der Fünfer sind ja viel zu schade zum Ausgeben.
Tag 6 im Juli 2006
Lange ausschlafen ist heute zwar angesagt, aber leider nicht möglich. Wir stehen mit unserem Zelt seit 8 Uhr voll in der Sonne und von der gibt es heute mehr wie genug. Wolkenloser Himmel und wenig Wind bei allerdings sehr angenehmer Mittagstemperatur von 24°C. Die Wassertemperatur des Tietzowsees liegt bei 25,5°C. Das nutze ich schon vor dem Frühstück zu einem ersten Bad. Vor dem Frühstück spannen wir auch noch das Moonshadow auf, da wir sonst in der Sonne sitzen und das macht nun wirklich keinen Spaß.
Vier Brötchen zum Frühstück, Kaffee und Zitronentee reichen zwar für mich als Grundlage, aber offenbar nicht Arian. Im Stundentakt läuft er zur Rezeption und holt sich abwechselnd Eis und Pflaumenkuchen. So kriegen wir den Tag mit Faulenzen, Baden, Lesen und Schreiben rum, bis schließlich um 14:30 Uhr der Schatten der Bäume soweit vorgerückt ist, dass wir das Moonshadow wieder einpacken können.

Blick vom
Campingplatz Eckernkoppel (D104/C36) über den Tietzowsee
Der Campingplatz ist durchaus empfehlenswert. Toilettenpapier, warmes und kaltes Wasser für Abwasch und Körperpflege und gepflegte Sanitäranlagen sowie Stromanschlüsse sind auf dem Platz vorhanden. Unsere Standortwahl war ein wenig ungeschickt, wir hätten uns etwa fünfzig Meter weiter am Wasser deutlich besser platzieren können, ohne gleich den Campern neben uns so auf die Pelle zu rücken.
Auf dem Platz ist auch ein kleiner Spielplatz mit Tischtennisplatte und Klettergerüst vorhanden. Arian fordert mich zu einer Runde Tischtennis heraus. Er beherrscht nach der Zeit im Tischtennisverein Schläger und Ball schon recht gut, so dass ich natürlich nicht mehr mithalten kann. Danach sind wir beide geschwitzt und gehen baden.
Tag 7 im Juli 2006
Frühnebel und wolkenloser Himmel liegt über dem See, wie ich das erste Mal um kurz vor Fünf das Zelt verlasse. Es ist mir aber noch zu früh, um schon Kaffee zu kochen. Da sitze ich nur alleine stundenlang vor dem Zelt und warte, bis mir Arian endlich Gesellschaft leistet. Früh aufstehen ist ja nicht gerade seine Stärke. So liege ich also auch um 6:14 Uhr noch im Zelt und schaue zu, wie es draußen langsam heller wird und die Sonne aufgeht.
An allen Ecken und Enden werden mittlerweile Kanus zu stattlichen Preisen vermietet. Wobei gegen die hohen Preise vielleicht noch nicht einmal so viel einzuwenden wäre, wenn man dafür einen reellen Gegenwert in Form von solider Markenqualität bekäme. Aber bei Preisen von ca. 30 Euro pro Tag für eine Plastikschüssel billigster Machart statt Markenware kann ich auch bei bestem Willen keinen reellen Gegenwert erkennen. Von daher kann man jedem eigentlich nur raten, sich ein eigenes Boot anzuschaffen, wenn er öfters mal aufs Wasser will und über eine geeignete Lagerstätte verfügt. Eine Gummikuh oder ein Kajak vom Schlage Puch, Klepper oder Feathercraft lässt sich natürlich in jedem Keller lagern und ist obendrein robust, bei richtiger Pflege lange haltbar, universell verwendbar und auch auf ausgedehnten Touren brauchbar.
Nachfolgend zur Abschreckung mal ein paar Mietpreise aus der Saison 2006 für Boote eines Verleihers:
| Bootstyp | 1 Stunde | 4 Stunden | 1 Tag | 2 Tage | Wochenende | 3 Tage | 4 Tage | 5 Tage | 6 Tage | 7 Tage |
| 1er Wander-Kajak | 6 € | 14 € | 20 € | 35 € | 43 € | 50 € | 65 € | 80 € | 90 € | 100 € |
| 2er Kajak | 6 € | 15 € | 25 € | 46 € | 50 € | 63 € | 79 € | 94 € | 107 € | 115 € |
| 2er Wander-Kajak | 8 € | 20 € | 35 € | 60 € | 70 € | 80 € | 100 € | 110 € | 120 € | 130 € |
| 3er Kajak | 8 € | 20 € | 30 € | 50 € | 60 € | 70 € | 85 € | 100 € | 110 € | 120 € |
| 2er Kanadier | 5 € | 12 € | 25 € | 46 € | 53 € | 63 € | 79 € | 94 € | 107 € | 115 € |
| 3er Kanadier | 6 € | 15 € | 28 € | 50 € | 60 € | 66 € | 81 € | 97 € | 109 € | 117 € |
| 4er Kanadier | 8 € | 16 € | 32 € | 55 € | 75 € | 80 € | 100 € | 110 € | 120 € | 130 € |
Auf der Wasserwanderkarte der Strelitzer Seenplatte sind die Telefonnummern der Touristeninfos drauf, also rufe ich um 9 Uhr die Info in Zechliner Hütte an und bekomme die Fahrzeiten für den Bus 788 von Zechliner Hütte nach Rheinsberg genannt. Allerdings nur die für den Bus 788 und keine weitere Information über einen Anschlussbus. Die anderen Touristeninfos sind erst ab 10 Uhr geöffnet und auch dann leider nicht erreichbar. Also mache ich mich gegen 10:30 Uhr zu Fuss auf den Weg nach Zechliner Hütte.
Verkehrsinfo:
Busfahrtzeiten für den Bus 788 von Zechliner Hütte in Richtung Rheinsberg: Mo - Fr um
9:32, 12:07 und 14:42 Uhr.
Die Busfahrzeiten für den Bus 839 von Rheinsberg bis nach Fürstenberg: Mo - Fr ab Rheinsberg um
10:29 Uhr an Fürstenberg um 11:11 Uhr und dann wieder ab Rheinsberg um 16:44 Uhr
Ankunft in Fürstenberg um 17:26 Uhr.
Im Hotel "Haus am See" (www.haus-am-see-zechlinerhuette.de) in Zechliner Hütte, wo ich auf der Suche nach der Touristeninformation lande, bekomme ich von der netten Dame an der Rezeption nach kurzem Telefonat die Busfahrzeiten von Rheinsberg nach Fürstenberg genannt! Einfach nett, kompetent und hilfsbereit. Wenn das Hotel nur annähernd das hält, was die Kompetenz der Empfangschefin verspricht, kann man das Haus wirklich nur empfehlen!
Im Wasserwanderatlas wird empfohlen, so wenige Kilometer wie nötig mit dem eigenen Pkw zurück zulegen und lieber Gepäcktouren mit dem Kanu zu machen. Ganz meine Meinung, das mache ich schon seit Jahren. Warum ist dann aber die Touristeninformation nicht in der Lage, kompetent über Busverbindungen zu informieren? In der Information Zechliner Hütte bekam ich nur Auskunft über den Bus 788 von Zechliner Hütte nach Rheinsberg, aber ob die Abfahrtzeiten auch in den Ferien gelten und wann dann ein Bus weiter nach Fürstenberg fährt konnte man mir schon nicht mehr sagen, da es ein anderes Tarifgebiet ist. Auf geht’s nach Rheinsberg ...
Jetzt werde ich mir bei dieser Gelegenheit mal den Rheinsberger Rhin ansehen, auf dem wir ja schon zweimal gepaddelt sind. Im Gegensatz zu früher gibt es jetzt Vorschriften, was seine Nutzung
anbelangt:
Die Befahrung des Rheinsberger Rhins ist nur ab einem Pegel von 65cm erlaubt, die Pegelvorhersage kann man unter der Telefonnummer 033082 40716 abhören und das Befahren ist nur noch 1er und 2er Kajaks gestattet. Ein Fahrverbot gilt für die Zeit vom 1. November bis zum 15. Juni
ganztägig und vom 16. Juni bis 31. Oktober in der Zeit von abends 19:00 Uhr bis 9:00
Uhr früh.
So langsam macht sich mein Magen bemerkbar und sehnt sich nach Nahrhaftem. In der Pizzeria "Al Castello" (Rhinstr. 1, 16831 Rheinsberg, Tel. 033931 80600) bestelle ich eine gleichnamige Pizza (4,80€) und dazu Apfelsaft (0,2L für 1,50€). Es ist jetzt 14:33 Uhr und in zwei Stunden fährt erst der Bus nach Fürstenberg. Die letzte Stunde habe ich auf einer Wiese im Schlosspark am Wasser verbracht, in der verbleibenden Zeit werde ich noch ein wenig durch die Gassen des Ortes schlendern.
Nach dem Essen - die Pizza war übrigens sehr gut - laufe ich dann wie angekündigt noch ein wenig durch Rheinsberg. Viel hat der Ort allerdings nicht zu bieten, wäre da nicht das Schloss, wäre hier wohl Tote Hose.
Mein Bus hat vier Minuten Verspätung, dafür bin ich der einzige Fahrgast. Später steigt noch ein Zweiter hinzu, so können wir in dem schönen neuen Bus nicht gerade über Platzmangel klagen. Ich fahre bis zum Bahnhof von Fürstenberg und wenige Minuten später lüfte ich schon unseren Bully von der Hitze. Zwei Euro werden pro Tag parken fällig, dann mache ich mich sofort vom Acker.

Campingplatz Eckernkoppel (D104/C36) am Tietzowsee
Tag 8 im Juli 2006
Kurz nach Acht stehen wir auf, waschen uns, holen Brötchen und ich fahre das Auto ans Zelt. Zuerst werden die Boote aufgeladen, danach das Zelt abgebaut und schließlich alles im Bus verstaut. Dann nehmen wir ein letztes Bad im See und verabschieden uns von diesem schönen Platz.

Abgebrannte Fleether Mühle
An der Schleuse Diemitz (GPS N 53°12.496' E012°51.553') können wir endlich unser verdientes Frühstück einnehmen. Damit lassen wir uns bis um 11:50 Uhr Zeit, bevor es weiter geht. Die Fleether Mühle (GPS N 53°13.244' E012°51.619') ist leider einem Brand zum Opfer gefallen, aber der kleine Biergarten neben der Mühle hat wieder geöffnet. Wenn man vom Rätzsee über den Oberbäk in den Vilzsee will, muss man die Boote hier über die Straße befördern.

Abgebrannte Fleether Mühle
Von Mirow aus fahren wir auf der B 198 nach Zirtow und nehmen am östlichen Ortsausgang den Weg um den Zirtower See herum. Es ist allerdings ein Sandweg, wo man tunlichst vorsichtig durchfahren sollte. Nur keine hektischen Fahrmanöver, sonst buddelt man sich sofort bis zur Achse ein.
Um 12:45 Uhr treffen wir auf dem FKK-Campingplatz C28 (GPS N 53°15.111' E012°54.502') am Rätzsee ein. Ruck zuck habe ich einen schönen schattigen Stellplatz gegenüber der Badestelle ausgesucht und der Platzwart hat uns auch sofort mit Elektrik versorgt. Die Anmeldung erledige ich später, weil von 12 bis 15 Uhr eigentlich Mittagspause ist. Das Wasser ist hier deutlich klarer wie in den anderen Seen, ein Grund dafür mag sicherlich im Fahrverbot für Motorboote bestehen. Das Wasser hat eine Temperatur von 24°C, die Lufttemperatur beträgt heute 25,5°C.

FKK-Campingplatz C28 am Rätzsee
Die Zeit schlagen wir heute mit Faulenzen tot, dann wird der Platz bezahlt. Der ist mit 16,60€ pro Nacht für Vater & Sohn, unseren Bully und das Zelt der teuerste Platz, den wir hier bisher kennen gelernt haben. Dabei hat er uns noch nicht einmal unsere beiden Boote berechnet, die wir auf dem Dach haben. Das ist übrigens auch eine perfide Art der Abzocke, dass man seine eigenen Boote bezahlt, ob man sie nun benutzt oder nicht. Demnächst muss man vielleicht auch noch für andere Sachen zahlen, die Möglichkeiten zur Abzocke sind da ja schier endlos.

Abendstimmung am Rätzsee
Zum Abendessen entscheiden wir uns für Kartoffelpüree mit Erbsen, müssen den Plan aber gleich wieder verwerfen, da wir fürs Püree Milch brauchen, die wir leider nicht haben. Auf Wasserpüree hat keiner von uns beiden Bock. So essen wir ein Glas Spreewälder Sauerkraut mit 5 Minuten Terrine und Bockwürsten. Arian entdeckt bei dieser Gelegenheit die diversen Wurstkonserven und ist begeistert. Ich spüle das Abendbrot mit zwei warmen Bieren aus Plastikflaschen hinunter. Auch so eine neumodische Erfindung, pfui Deibel! In Mirow hätte ich doch nicht gänzlich auf den Einkauf verzichten sollen. Morgen werden wir uns dann mal so langsam auf den Rückweg nach Berlin machen. Die restlichen vier Wochen Ferien werden wir dann alle zusammen in Bayern verbringen.
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