Insel Korcula

Nach dem Frühstück verlassen wir den Berg und treffen auf der Abfahrt den Imker, dessen alter Bienen-Reisebus uns schon gestern aufgefallen ist. Wie er uns Berliner erblickt, winkt er uns gleich laut rufend an seinen VW-Bus. Er spricht sehr gut deutsch, da er von 1962 bis 1964 in der Moabiter Markthalle arbeitete, wie er uns gleich erzählt. Bei ihm erstehen wir Honig und Kräuterschnaps aus dem Biokovo-Nationalpark.

Imker mit Verkaufsstand und seinen Bienenstöcken im Reisebus
Imker mit Verkaufsstand und seinen Bienenstöcken im Reisebus

Über Podgora erreichen wir auf der Küstenstraße, der Adria-Magistrale, Drvenik. Da von hier (GPS 012) auch Fähren nach Korcula fahren, stelle ich mich sofort in der linken Spur (rechts geht's zur Insel Hvar) an und Regina besorgt die Fährtickets. 

Fähre um Fähre legt an und fährt wieder ab, nur nicht nach Korcula. Nach Hvar ist der Verkehr rege, hier geht's Schlag auf Schlag. Es ist jetzt schon 14:15 Uhr. Um 14 Uhr sollte die Fähre schon ablegen. Wir warten jetzt schon über zwei Stunden in der sengenden Hitze. Das Ticket kostet 230 Kuna, Verspätung inbegriffen. Jetzt aber ist sie endlich da und wir genießen die knapp dreistündige Überfahrt. 

Überfahrt nach Korcula
Überfahrt nach Korcula

Der erste Campingplatz (Autocampa Korcula) liegt direkt am Meer, ist schattig, aber bis auf wenige kleine Stellplätze proppevoll. Also fahren wir suchend über die Insel. In Lumbarda suchen wir uns "einen Wolf", finden aber statt des ausgeschilderten Platzes nur eine Baustelle mit angrenzender Müllhalde. Auf der Suche nach dem nächsten Campingplatz landen wir vor den Toren einer Schiffswerft. Auch Einheimische haben hier noch nie einen Campingplatz gesehen. 

Hinter Vela Luca, am Westende der Insel, werden wir dann endlich fündig (GPS 013). Zwar sind es etwa 10 Minuten Fußweg bergab (hoch muss man auf dem Rückweg auch zu Fuß) bis zum Meer, aber der Platz ist privat, schattig und gemütlich. Überdies ist der Betreiber sehr freundlich und bemüht alles sauber und intakt zu halten. Abends kann man seine Wünsche auf einen kleinen Zettel schreiben und abgeben. Am nächsten Morgen fährt dann Opa los und erledigt alle Einkäufe! 

Das Wetter schreibt den weiteren Tagesablauf vor: Baden, schwimmen, tauchen und schnorcheln, dann wieder baden, schwimmen, tauchen und schnorcheln, bis zum Haut erweichen! Heute testen wir die andere Badebucht, hier kommt man bedeutend besser ins Wasser. Gerade ist ein schmucker Kreuzfahrer in der Bucht vor Anker gegangen und die Gäste tummeln sich im Wasser. Wir sitzen am Ufer in der ersten Reihe! Arian und ich schwimmen zum Schiff und schauen es uns von unten an, sieht man ja sonst nicht alle Tage.


Kleiner Knigge für Kreuzfahrer oder all jene, die es einmal werden wollen:
Wenn der Käpt'n befiehlt: Alle Mann an Deck! Dann weiß der Kenner sofort: Der Frühschoppen wird gleich eröffnet! Kommt danach jedoch der Zusatz: Frauen und Kinder zuerst! Dann wird der Frühschoppen mit Sicherheit auf später verschoben oder fällt ganz aus.

Ach ja, da fällt mir doch ein: Die Seenotrettungsübungen auf den Kreuzfahrtschiffen sind sowieso nichts anderes, wie eine Beschäftigungstherapie für ängstliche Landratten. Im Ernstfall gibt es ohnehin kaum eine Chance auf hoher See, insbesondere nicht für Behinderte. Rollstuhlfahrer bleiben besser gleich unter Deck, ziehen die Bremse an und klinken eine Markierungsboje am Rollstuhl fest. Oder hat jemand schon mal ein behindertengerechtes Rettungsboot gesehen?

Erscheint das Bordorchester an Deck und spielt „Näher mein Gott zu dir“, so ist das meist nicht die Einladung zur Sonntagsmesse. Dann zieht man sich besser sofort etwas Wasserdichtes an.

Käptn: "Alle Mann über Bord, Kinder und Frauen zuerst!"
Käptn: "Alle Mann über Bord, Kinder und Frauen zuerst!"

Die Seefahrt hat aber auch durchaus ihre positiven Momente, so zum Beispiel das Käptn’s Dinner! Wer beim Käptn’s Dinner an den Tisch des Schiffsführers geladen wird und auch noch hingeht, hat es wohl bitter nötig. Wenn man an dich freilich nicht einmal gedacht hat, zeugt es wohl nur davon, wie sehr es der Schiffsführung an Menschenkenntnis mangelt. Wenn du aber geladen wirst und mit dem Gedanken spielst hinzugehen - nur keine Scheu! Dem Manne ist mindestens genauso unwohl wie dir. Kräftiges Schulterklopfen und etwas leichte Konversation lockern die Atmosphäre ungemein auf: „Na, du alter Strandpirat! Wie lange macht’s denn unser rostiger Eimer noch?"


Die Fährverbindung von Korcula nach Dubrovnik kostet pro Person 300 Kuna, das ist uns entschieden zu teuer, außerdem könnten wir erst am Donnerstag fahren, da morgen am Dienstag schon alles ausgebucht ist. Im Internetcafe von Vela Luca beraten wir bei eisgekühlten Getränken wie es weiter geht und beschließen, morgen nach Ston auf Peljesac zu fahren. Dort soll sich ein sehr guter Campingplatz befinden. Von dort fährt auch ein Linienbus nach Dubrovnik. 

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