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Freitag, 25.Juli 2003
Arian hat die Blume auf dem Grab der Hummel erneuert und das Grab fotografiert. Das Wetter ist miserabel, der Himmel grau und es nieselt mit kleinen Pausen vor sich hin. Jetzt (10:07 Uhr) sitzen wir im Bully und warten darauf, dass der Regen mal eine Pause macht, damit wir das Zelt abbauen können. Ansonsten wird auch noch das Innenzelt nass und das muss ja nicht sein.
Wie alles inklusive trockenem Innenzelt verstaut ist, fahren wir nach Kvam zurück und von hier auf der E6 bis nach Sjoa. Auf der Straße 257 geht’s zur Wildwasserarena (gps016) von Sjoa, wo 1994 Weltmeisterschaften stattfanden. Überflüssig zu erwähnen, dass es inzwischen nicht mehr regnet. Es schüttet! Die Wolken hängen schon eine Handbreit über meinem Hut. Wir besichtigen die Anlage, Kanuten sind im Moment aber nicht unterwegs. Die sind alle vom Regen verschreckt unter ein Dach geflüchtet und warten auf besseres Wetter.

Sjoa
Weiter geht’s bis Ransverk. Unterwegs sehen wir noch einige Raftingboote auf der Sjoa. Der Regen hat so schnell aufgehört, wie er begonnen hat. In Heidal besichtigen wir die Stabholzkirche mit umliegendem Friedhof. In die Kirche kommen wir leider nicht hinein, so muss uns die Außenansicht genügen.

Stabholzkirche in Heidal
Wir wechseln jetzt auf die Straße 51 und fahren bis Randen, wo es auf der Straße 15 bis Fossheim weiter geht. Auf der 55 erreichen wir den Ort Elveseter (gps017), wo sehenswerte alte Häuser stehen. Bemerkenswert sind die Inschriften über den Eingangstüren: „Midgard Anno 1640“ und über einer anderen Tür lesen wir „Udgard“. Welche Bedeutung die Saga-Steinsäule am Parkplatz hat bleibt uns vorerst verborgen.

Elveseter

Elveseter
Nach diversen Stopps, wo ich mit Inbrunst Berge in Regenwolken fotografiere, erreichen wir die Jotunheimen Fjellstation (gps018). Auf dieser Strecke genießen wir herrliche Aussichten. Leider spielt das Wetter nicht mit, sonst wäre zum Beispiel auch der Blick auf den Smörstabbreen, einem der Gletscher von Jotunheimen, nicht durch die tief hängenden Wolken versperrt gewesen.

Jotunheimen
Am Lustrafjorden geht es auf der Straße 55 entlang bis nach Gaupne und von hier auf die Straße 604.
Nahe dem Jostedalselva (gps019) sehen wir einen möglichen Lagerplatz an den Holzstapeln, entscheiden uns aber doch noch weiter zu suchen.

"Whitewater" Jostedalselva
Einen Lagerplatz (gps020) finden wir um 18:45 Uhr neben der Straße Nr. 604 unmittelbar am Flussufer des Jostedalselva. Hier steht man etwas unterhalb der Straße auf einer großen, völlig ebenen Fläche am Wasser. Regina und Arian sind allerdings vom Wildcampen nicht so begeistert, sie würden viel lieber im Zelt schlafen. Wir bauen den Bus um, dann kochen wir uns eine warme Suppe. Die Lufttemperatur liegt bei 15°C, die Wassertemperatur des Jostedalselva bei +6°C.
Zu Dritt wird es im Bus recht eng werden, mal sehen, wie wir die Nacht überstehen. Da hier am Fluss die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist, am frühen Abend liegt schon Nebel über dem Wasser und wir zu Dritt viel Feuchtigkeit ausschwitzen, lasse ich das Schiebedach einen Spalt weit offen. Damit uns lästiges Fluggetier nicht die Nachtruhe verdirbt, habe ich das Schiebedach mit Fliegengaze verschlossen.

Lager am Jostedalselva
Samstag, 26.Juli 2003
Wie wir dann aus dem Bus schauen, ist der Himmel immer noch wolkenverhangen. Dabei fiel gestern Abend das letzte Sonnenlicht auf die Bergspitzen und lies uns auf einen schönen Morgen hoffen. Notgedrungen koche ich Kaffee und Tee vor dem Bus, aber gefrühstückt wird dann doch im Bully. Es ist kein richtiger Regen, aber nach wenigen Minuten wäre die Stulle durchgeweicht.
Anschließend die gleiche Prozedur wie nach jedem Wildcamp. Bully umräumen, Katzenwäsche im Flusswasser und abfahren. Weit ist es ja nicht mehr bis Nigard zum Gletscher. Die Zufahrtsstraße vom Informationspavillon zum Gletscherparkplatz kostet 25 NOK (3,02 €) Maut, aber die Maut sparen und dafür 5 Kilometer hin und 5 Kilometer wieder zurück laufen, darauf hat keiner von uns Bock.
Der Nigardsbreen ist eine Gletscherzunge des Jostedalsbreen, des größten Festlandsgletschers Europas. Beeindruckend sieht er schon aus, wie er da den Berg herab kommt. Das Eis hat eine fast unnatürliche blaue Farbe. 50 NOK (6,05 €) werden dann noch einmal für das Gletscherboot fällig, mit dem man vom Parkplatz (gps021) zum Gletscher fahren kann. Alternativ kann man auch über die Felsen krabbeln, durch einen Bach waten und den Gletscher zu Fuß erreichen. Wenn jetzt ein Leser denken sollte, es hätte inzwischen mal aufgehört zu regnen, bloß weil ich es nicht mehr erwähne, so irrt er sich gewaltig. Die Sicht ist ja gar nicht mal so schlecht, aber es nieselt unentwegt.
Gerade, wie wir den Gletscher besichtigen, kalbt er unter Donnergrollen. Eindrucksvoll, aber meinen Camcorder habe ich leider gerade verstaut. Arian nimmt sich ein Stück von dem Gletschereis zum Lutschen mit.

Jostedalsbreen
Unser nächstes Ziel ist der Geiranger Fjord. Das werden wir zwar heute nicht mehr schaffen, aber in der Nähe wollen wir uns einen Campingplatz suchen und morgen einen Ausflug dorthin machen.
Wir müssen von Nigard die Straße 604 bis nach Gaupne zurück fahren und auf der 55 bis nach Sogndalsfjöra. Hier biegen wir auf die Straße 5 ab und machen noch eine kleine Rast mit Blick auf den Jostedalsbreen, bevor wir sein südwestliches Ende im 6 Kilometer langen Tunnel unterqueren. Erst danach wird das Wetter besser, es scheint plötzlich sogar die Sonne. Prompt kommen wir an eine Mautstelle, wo 150 NOK (kein Schreibfehler, also 18,14 €!) fällig werden. Sicher mit Schönwetterzuschlag.
Es offenbaren sich auf dieser gesamten Tagestour herrliche Aussichten auf Fjorde, Täler und Berge und mit etwas Sonnenschein wäre es noch mal so schön. Ohne Übertreibung: Norwegen gefällt uns von Tag zu Tag besser!

Norwegens Fjorde
In Olden hat das Fjordschiff „Berlin“ im Innvikfjorden fest gemacht. Hier tanke ich den Bully und kurz darauf werden wir auch schon auf unserer Suche nach einem Campingplatz fündig.
Ankunft auf dem Grande Camping (gps022) am Strynsvatnet ist um 19 Uhr. Nach dem Wildcamp ist wieder ein richtiger Platz mit Dusche und Spülklosett dran. Bei der Platzbesichtigung macht alles einen sehr ordentlichen Eindruck. Die Dusche muss für 4 Minuten mit 10 NOK entlohnt werden, nur die 10 NOK für das heiße Abwaschwasser in der Küche ist gewöhnungsbedürftig. Ein Herd mit 4 Kochplatten, Kühlschrank und Waschmaschine, sowie Trockner, alles vorhanden. Man kann sich hier auch unmittelbar an die Wasserkante stellen, aber der Strand ist eher für Wohnmobile geeignet. Für Zelte ist der Rasen als Untergrund besser und der liegt auch nur etwa 30 Meter vom Wasser entfernt.
Die Rezeption öffnet erst um 20 Uhr, also stellen wir kurzerhand unser Zelt auf den Platz Nr. 7 mit frisch gemähtem Rasen. In der Nähe der Rezeption steht für Kinder ein großes Trampolin zum Spielen bereit.
Arian entscheidet sich für Raviolis zum Abendessen, also muss er auch die Dose öffnen. Das gefällt ihm anfangs nicht so, aber nach kurzer Einweisung kann er mit meinem Multitool die Dose öffnen.
Nach dem Essen haben die Kinder endlich das Trampolin geräumt. Darauf hat Arian nur gewartet. Nun turnt er auf dem Gerät herum.
Im Telefonat mit Sascha habe ich ihn gebeten, doch mal das Wetter in Skandinavien zu checken. Per SMS soll er mir die Ergebnisse dann zuschicken. Nach unserer Rückkehr sehe ich auf der Telefonrechnung, dass die Handygespräche aus Schweden und Norwegen mit etwa 1 € pro Gesprächsminute noch im Rahmen bleiben. Abends war das Wetter ganz annehmbar, aber um 22:30 Uhr setzt wieder Nieselregen ein. Dafür ist die Lufttemperatur merklich angestiegen. Ein schwacher Trost.
Sonntag, 27.Juli 2003
Irgendwann in der Nacht werde ich wach, wie der Regen aufs Zelt trommelt, schlafe aber sofort wieder ein. Das will schon was heißen, wenn ich davon wach werde! Um 4:30 Uhr habe ich schon ausgeschlafen und schreibe ein wenig an den Berichten herum. Saschas SMS ist auch da: „Bis ca. Dienstag überall regnerisch. Ab Dienstag wieder sonnig. Trontheim (24°C) am Besten, Süden (Oslo) 21°C. Donnerstag wieder Regen. Schweden ähnlich.“ So ungefähr habe ich mir es auch vorgestellt. Wenn es in Südskandinavien schlecht ist, muss man in den Norden fahren!
Das weis ich seit 1993, wo Regina das Wetter am Klarälven zu schlecht war, da die Sonne nicht durchgängig schien. So fuhren wir nach Südschweden, wo die Sonne überhaupt nicht mehr schien. Daraufhin brachen wir auch hier unser Zelt ab und fuhren nach Dänemark, wo wir auf dem Campingplatz fast weggespült wurden!
Der Aussichtspunkt Dalsnibba (gps023) ist 1483 Meter hoch gelegen laut meinem GPS. Wir haben einen günstigen Augenblick erwischt und ganz gute Sicht in alle Richtungen. Wie wir uns wieder auf den Rückweg machen, ziehen plötzlich Wolken herauf. Unten sind wir wieder um 13:35 Uhr.

Ausblick vom Dalsnibba nach Geiranger
Ich habe mich vor der Reise im Internet informiert und bin auch auf Artikel und Reiseberichte gestoßen, in denen von der abenteuerlichen Auffahrt auf den Dalsnibba die Rede war. Maßlos übertrieben. Jeder, der auch nur halbwegs autofahren kann, wird die Auffahrt ohne Probleme schaffen. Lohnenswert ist es auf jeden Fall, solange die Sicht gut ist. Bei diesigem Wetter oder schlechter Sicht kann man sich die Tour dagegen sparen.

Geiranger-Fjord
In Geiranger lassen wir den Bus unweit des Hafens stehen und bummeln durch die Geschäfte. Für Sascha erstehen wir einen kleinen Troll mit Schwert und als Andenken für uns den obligatorischen Silberlöffel. Arian kauft von seinem Taschengeld einen Wikinger und mault, dass er ihn selbst bezahlen muss.

Kreuzfahrer im Geiranger-Fjord
Am Hafen lassen wir uns nieder und essen ein Softeis. Ein Kreuzfahrer ankert vor Geiranger und die Passagiere werden gerade ausgebootet.
Um 16:40 Uhr sind wir dann wieder auf unserem Campingplatz und spannen das Dach auf. Der Himmel ist inzwischen wieder total zu und die ersten Tropfen fallen schon. Ansonsten war das Wetter den ganzen Tag über angenehm warm und oft schien auch die Sonne.
Den morgigen Tag wollen wir ein wenig ausspannen und uns überlegen, wie wir den restlichen Urlaub verbringen. Arian und Regina haben eigentlich genug von Norwegen gesehen, obwohl es ihnen sehr gefallen hat. Ich bin in dieser Frage leidenschaftslos und will nicht immer allen alles vorschreiben. Die Stimmung ist aber bei Arian und Regina so, dass sie lieber noch in Dalsland paddeln würden, wie in Norwegen um die Fjorde zu kurven. Keinesfalls will Regina noch weiter nach Noren abdriften, womit die großen Seen Storavan und Hornavan schon mal ausscheiden. Morgen legen wir hier einen faulen Tag ein und werden uns dann nach dem Kartenstudium entscheiden.
Jetzt wird das Abendessen zubereitet. Kartoffelpüree mit Erbsen und Bockwurst wünschen sich Regina und Arian. Hinterher schaffen wir noch eine Packung Pumpernickel.
Regina geht zur Rezeption und bezahlt wieder einen Tag. Gleichzeitig bringt sie den Schlüssel für den Stromkasten mit und schließt ihn auf. Tagsüber ist niemand in der Rezeption, nur morgens von 9-10 Uhr und abends von 20-21 Uhr. Nun lauert auch noch der Abwasch auf uns und ich schnappe mir das Küchenhandtuch.
Alle Arbeit ist getan (20:39 Uhr) und es regnet immer noch. Außerdem ist es mittlerweile recht frische 15°C geworden. An der Rezeption hat man Regina vorhin damit getröstet, dass es Morgen schön werden soll. Arian sitzt schon wieder im Bully und daddelt, Regina liest sich „Das zweite Gedächtnis“ an und ich tippe unerschrocken diesen Text.
Regina hat inzwischen kalte Ohren! Da hilft nur eines: BigBadVoodooDaddy's Voodoo Medicine in der magischen silbernen Flasche mit dem grünen Verschluss!
Zur Erinnerung hier noch einmal die Regeln, die es zu beachten gilt!
Don’t drink by day. Don’t drink alone. Don’t ask the doctor. Don’t drink with the black man. Drink it at the last day!
Nun ist es schon 22:30 Uhr und wir verabschieden uns und flüchten in den warmen Schlafsack. Verabschieden uns vom Regen, der nasskalten Luft von nunmehr nur noch 13°C und von den Wolken, die sich zwischen den Bergen festgesetzt haben und immer tiefer ins Tal kriechen.
Arian liegt im Schlafsack und daddelt immer noch, Regina liest sich weiterhin „Das zweite Gedächtnis“ an und ich tippe unerschrocken an diesem Text. Mit dem Wetter schleicht sich auch eine gewisse Monotonie in unseren Alltag. Aber der Mensch braucht auch Beständigkeit und Konstanz! Und nichts ist so beständig wie dieser Regen!
Montag, 28.Juli 2003
Wir sitzen am Tisch, der Kaffee ist fertig und Arian findet mal wieder nicht den Ausgang vom Zelt. Dabei ist es jetzt (10:41 Uhr) sehr schön. Die Sonne scheint nämlich! Wir haben schon eine Maschine mit Wäsche gefüllt und werden sie nach dem Waschgang in den Trockner werfen. Ein Waschcoupon hat 25 NOK (3,02 €) gekostet.
Die Wassertemperatur im See beträgt stattliche 17°C. Arian kommt mir plötzlich in nasser Badehose entgegen, also lasse ich mich auch nicht lumpen. Bei der Wärme tut eine kleine Erfrischung ganz gut. Danach legen wir uns beide auf die Decke. Lange wärt die Freude über den Sonnenschein allerdings nicht, ab 13 Uhr zieht sich der Himmel schon zu und wir wechseln die Badesachen gegen normale Kleidung.

Grande Camping am Strynsvatnet
Statt Regen gibt es diesmal aber wieder etwas Sonne, bis um 15:40 Uhr plötzlich Starkwind über den See kommt.
Wir haben gerade zu Mittag gegessen. Regina und Arian haben sich für Chiabata-Eierkuchen entschieden, ich esse Pumpernickel mit Corned Beef. Regina ist vom Geschmack der Eierkuchen nicht so angetan und prophezeit, dass dies die letzten Eierkuchen in diesem Urlaub waren.
Wir haben neue Nachbarn bekommen! Eine Familie aus den Niederlanden mit drei Kindern und dem typischen Zelt. Niederländer erkennt man oft an diesem Zelttyp! Unmengen nasser Kleidung werden zum Trocknen in der Gegend ausgebreitet.
Da, die ersten Tropfen fallen. Blitzschnell ist unser Regenschutz am Bus gehisst. Ebenso schnell hat es wieder aufgehört. Was denn, das soll schon alles sein? Wir fühlen uns gefoppt. Dichte Wolken, kalter Wind, nur kein Regen. Ich bin mir sicher, das gibt noch was!
Vorerst gibt es für jeden eine heiße Gemüsebrühe. Dann macht Arian den Abwasch, er ist mal wieder am drannsten.
Um 20 Uhr geht Regina den heutigen Tag bezahlen und Arian stellt sich am Trampolin an. Er hat Spielkameraden in den Nachbarskindern aus den Niederlanden gefunden. Erst wird auf dem Trampolin rumgetobt, dann kühlen sie sich im See ab, indem sie sich gegenseitig nassspritzen.
Unseren Regenschutz haben wir mittlerweile auch verstaut, es hat doch tatsächlich nicht mehr geregnet. Die Wolken haben sich wieder verzogen, dafür ist es lausig kalt geworden. Ich gehe mit Arian unter die Dusche und danach ins Zelt. Regina hat ihren Roman ausgelesen aber Arians Daddelmaschine macht niemals schlapp. Daher kommt wieder meine Stirnlampe zum Einsatz, da er sonst nichts mehr sieht. Ich brauche jetzt (23:09 Uhr) auch schon ein wenig Licht für meinen Schreibcomputer. Die Stirnlampe soll angeblich 2 Tage mit einem Satz von drei Batterien vom Typ AAA auskommen. Da kann ja Arian glatt die Nacht durch daddeln.
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