Ferien im Riesengebirge
Rokytnice nad Jizerou

Anschrift des Ferienhauses: Josef Trunecek, Rokytno 78, 512 45 Rokytnice nad Jizerou

Privatanschrift des Eigentümers: Josef Trunecek, Za navsi 7, 106 00 Praha 10, Tel. 0042 (0) 2 / 769 803

Samstag, der 30. September 1995

Um 6 Uhr ist über die A 13 und A 15 die Abfahrt Forst und das Ende der Warteschlange erreicht, wo es schon schwere Auffahrunfälle gegeben hat. Jetzt endlich kommen auch die Durchsagen im Autoradio, die vor dem Übergang Forst warnen. Über die grüne Wiese erreichen wir noch die Ausfahrt, so bleiben uns hier 6 Stunden Wartezeit (wie wir später im Radio erfahren) erspart. Wir fahren weiter in Richtung Bad Muskau und stellen uns brav hinten an. Es sind ja nur etwa 3-4 km bis zur Grenze. Vorwärts geht’s aber kaum. Da erhalten wir von Einheimischen die Information, dass es 20 km weiter südlich einen neuen Übergang in Podrosche nur für Pkws gibt. Weiter geht’s an der Schlange entlang und rechts abgebogen nach Podrosche. Das Wohnmobil aus der Warteschlange vor uns folgt. In Podrosche ist die Schlange mit 2 km nicht ganz so lang, nach 2 Stunden sind wir um 10.37 Uhr endlich durch die polnische Grenze. Es regnet inzwischen und der Wald wimmelt nur so von Pilzen und Pilzsuchern. Wir kommen gut voran und steuern die nächste Tankstelle an. Normal-Bleifrei mit 95 Oktan kosten 1,24 (neue) Zloty, das sind umgerechnet weniger als 0,75 DM. Als ich 1978 mit dem Auto fahren begann, kostete das Benzin in Deutschland auch 0,75 DM. Bei einer Rast besichtigen Sascha und Torsten eine Burgruine. Mehrmals müssen wir einen Zwischenstopp einlegen, Harri ist begeistert vom polnischen Warenangebot und wir sind auf der Jagd nach Hühnereiern. Eine kleine Rast legen wir noch hinter Szklarska Poreba (ehemals deutsch Schreiberhau) kurz vor der tschechischen Grenze am Fluss Kamenice ein. 

Gegen 13.30 Uhr erreichen wir den polnisch-tschechischen Grenzübergang Jakuszyce/Harrachov. Wir trauen unseren Augen nicht. Der Stau ist schon vor uns da, aber noch längst nicht die Grenze. Wir warten (was bleibt uns auch anderes übrig) aber die Schlange rührt sich nicht. Nach etwa 15 Minuten kommt Bewegung in die Wartenden. Es geht vorwärts! Eine läppische Stunde später sind wir um 14.45 Uhr durch die Grenze. In die Wechselstube auf tschechischer Seite gehen Regina und Harri Geld wechseln. Die Warteschlange in der Wechselstube muss ähnlich lang sein, wie an der Grenze, sie kommen nicht zurück. Oder haben sie sich etwa verlaufen? Wie ich schon eine Vermisstenanzeige in Erwägung ziehe, erscheinen sie endlich. Arian hat inzwischen die Fahrzeugtüren verriegelt und jeckt sich eine, dass Regina und Harri nicht rein kommen. Auf dem Weg von der Wechselstube zum Auto haben beide schon den aktuellen Wechselkurs vergessen. Reginas lapidare Antwort auf meine Frage, wie viel sie denn nun für unser gutes deutsches Geld bekommen hat lautet: "Viel!". Mit dieser beruhigenden Aussage im Gepäck machen wir uns auf die letzten Kilometer nach Rokytnice. Auf Anhieb finden wir das Haus aber nicht, denn der Ort zieht sich wie Kaugummi hin. 

Kaffeeklatsch am HausUm 15.30 Uhr sind wir endlich am Ziel, die Vermieter warten schon auf uns. Sie zeigen uns kurz das Haus und geben ein paar Erklärungen, dann verabschieden sie sich und fahren nach Prag zurück. Wir laden unsere Sachen aus dem Bus aus und richten es uns gemütlich ein. Das Haus trägt die Nummer 78 und liegt am Hang mit Blick auf den Ort, ist 200 Jahre alt, aus Holz und sehr groß. 200 Jahre alt muss auch die Dachrinne an der Talseite sein, denn sie ist noch aus Holz! Harri nimmt das Schlafzimmer Nr. 1, Regina, Arian und Rolf das Zimmer Nr. 2 im 1. Stock. Sascha und Torsten schlafen im Erdgeschoss gleich neben der Kochnische. Aus Polen haben wir 6 Bier mitgebracht, die wir vor Zubettgehen noch beim Abendbrot verkosten. Eine Sorte ist halbwegs trinkbar, die Andere schlichtweg ungenießbar. Gott erhalt’ mir mein Flensburger! 

Sonntag, der 1. Oktober 1995

Um 6.30 Uhr bin ich aufgewacht, habe Arian eine Geschichte von "Winnie Puh" im Bett vorgelesen und bin schließlich um 7 Uhr aufgestanden. In der Nacht hat es oben auf den Bergen geschneit. Vom Wohnzimmer aus haben wir einen herrlichen Blick auf die verschneiten Berge der anderen Talseite. Das Thermometer außen am Wohnzimmerfenster zeigt eine Temperatur von 2° C an. Nach dem Duschen frühstücken wir zusammen. Wir haben uns aus Deutschland alles fürs Frühstück mitgebracht, so können wir uns Baguettes im Ofen aufbacken. Der Küchenherd ist zwar nicht ganz 200 Jahre alt, aber Regina zu langsam; sie holt lieber eine elektrische Heizplatte aus dem Schlafzimmer herunter.

Danach schauen wir uns im Ortszentrum von Rokytnice um. Harri ruft um 10.30 Uhr noch einmal Ellen an, danach fahren wir zum oberen Parkplatz bei den Skiliften in Rokytnice. Von hier aus laufen wir auf der Gelben Route erst bergaufwärts, dann auf der Grünen Route zum Parkplatz zurück, den wir wieder nach 2 Stunden erreichen. Arian, Sascha und Torsten bewerfen sich mit den Schneeresten. In der letzten Nacht hat es über 9 cm Neuschnee gegeben.

Im Ort angelangt, kehren wir zum Mittagessen im Hotel ein. Ich habe mir ein Försterschnitzel bestellt, kann aber unter der dicken Pannierung kein Schnitzel entdecken, offensichtlich handelt es sich also um den Förster. 814 Kr für fünf Personen inklusive Getränke finde ich nicht gerade billig. In unserer Bewertung einigen wir uns schließlich auf ein mittelmäßiges Essen für einen mittelmäßigen Preis. Einen Stern verleihen wir dem Küchenchef nicht. Pilsener Urquell und Eier haben wir nach dem Essen beim Kaufmann eingekauft, die Packung Eier mit 10 Stück für 18 Kr, also 1 DM! Auch die 0,5 l Flasche Pilsener Urquell schlägt mit 10,30 Kr, das sind umgerechnet 0,57 DM nicht gerade ein Loch in die Urlaubskasse. Danach amüsieren sich die Kinder auf dem Rummelplatz im Stadtzentrum direkt vor dem Hotel.

Auf dem Nachhauseweg kaufen wir in der Pizzeria noch Kuchen ein. Mittags klart der anfangs bedeckte Himmel auf und die Sonne kommt heraus. So stellen wir zum Kaffeetrinken Tisch und Stühle auf die Terrasse. Kaum aber sitzen wir draußen, verschwindet die Sonne wieder hinter den Wolken. Sascha probiert das Luftgewehr aus und findet heraus, dass es voll funktionstüchtig ist. Er beschließt sofort am nächsten Tag Munition zu kaufen. Im Ort hatte er sich schon erkundigt, wo er die Munition bekommt. Jetzt holen Torsten und Sascha ihre ferngesteuerten Renner heraus und fahren damit im Garten herum. Arian sammelt derweil fürs Abendessen Baumpilze im Garten.


Montag, der 2. Oktober 1995

"Morgenstund' hat Gold im Mund", sagt man zumindest, aber Sascha hat um 7.30 Uhr bei meiner Frage nach dem Wort zum Montag nur unverständliches Gemurmel zwischen den Zähnen. Auch Torsten bringt nur ein mattes Stöhnen hervor. Beim "Konfigurieren" (wer nicht weiß was das ist, lese in seinen Kinderbüchern von "Carlsson vom Dach" nach) quiekt Torsten dann aber doch recht fröhlich. Ein Blick aus dem Fenster bringt die schreckliche Gewissheit: Die Wetterfrösche haben wieder mal geflunkert. Alles ist neblig trüb verhangen. Nur die Kühe auf der Wiese vor dem Haus scheint das alles nicht zu kümmern. Als ich Regina nach dem Wort zum Montag frage, bekomme ich zur Antwort, dass sie die halbe Nacht wach war, da Arian auch wach war und sie jetzt noch schlafen will. So etwas nennt man Solidarität! Da aber Arian nicht mehr schlafen will, bleibt ihr leider nichts anderes übrig, als auch aufzustehen. Arian kennt da keine Gnade.

FrühstückWie wir uns am Frühstückstisch versammeln, starte ich auch schon unserer allseits beliebtes Gesellschaftsspiel, wobei das kleine Diktiergerät die Hauptrolle spielt. Hier nun Harri's Ansprache zum Montag: "Heute haben wir ein herrliches Wetter, die Berge sind weit weg, die Eier waren überweich, aber sonst ist es ein schöner Tag."

Nach dem Frühstück mit besagten weichen Eiern packen wir unsere Sieben Sachen zusammen, ziehen die Wanderschuhe an ... und gehen erst mal einen Kasten Pilsener Urquell kaufen. Dann zurück ins Haus und den Einkauf abgeliefert, Harri hat auch seine Videokamera vergessen und sofort wieder mit dem Auto zurück in den Ort.

Hinter der Kirche biegen wir rechts ab, fahren über die beiden Parkplätze an der Liftstation hinaus und stellen den Bus an einer Kreuzung ab. Von hier aus wandern wir bei herrlichem Wetter zum Bergkamm. Auf dem Gipfel angelangt, legen wir eine Rast in der Gipfelbaude ein. Hier stärken wir uns mit Kartoffelsuppe, Würstchen, Cola und Bier. Arian’s liebster Platz ist auf dem Barhocker an der Theke, wo er mit Torsten und dem Wirt ein Schwätzchen hält. Danach geht's talwärts und schließlich mit dem Kompass querfeldein über Bäche immer Kurs 230 Grad. Torsten hat den richtigen Blick und Riecher. Im Wald findet er ein altes Schmuckstück. Schließlich entlässt uns der Wald wieder am Parkplatz der Liftstation. Ich hole das Auto von der Wegkreuzung und wir machen uns sofort auf den Weg nach Liberec, denn mittlerweile ist es schon 16.30 Uhr und gegen 18.30 Uhr soll ja Ellen mit dem Zug in Liberec eintreffen.

Um 17.30 Uhr treffen wir am Bahnhof ein und vertreten uns noch ein wenig die Beine. In der Bahnhofskneipe wollen wir nicht unterkommen, dem Publikum nach zu urteilen tagt hier gerade die Autoschiebergewerkschaft Osteuropas. Zur angegebenen Zeit trifft dann leider keine Ellen mit dem Zug ein, statt dessen hören wir in einer tschechischen Bahnhofsdurchsage den Namen "Bauschke". Harri und Torsten suchen sofort den Informationsschalter auf. Regina und ich werden von einem tschechischen Rucksacktouristen auf dem Bahnsteig angesprochen, ob wir Bauschke heißen. Er nimmt uns mit zum Stellwerk, von wo Regina eine Telefonverbindung mit Ellen geschaltet bekommt. Ellen ist irgendwo in der "Wallachei" gestrandet, da wegen einer Brückenreparatur zwischen Hradek und Liberec nur Schienenersatzverkehr herrscht. Regina gibt Ellen noch den Tipp, sich mit den anderen Wartenden doch ein Taxi zu nehmen, da Ellen ja sonst erst gegen 22.30 Uhr in Liberec eintreffen würde und verspricht, dass wir weiterhin auf dem Bahnhof auf sie warten.

Wir vertreiben uns dann die Wartezeit bei Filetsteak, Eis und Bier im gegenüber liegenden Motel. Torsten schmeckt nach dem ersten Schrecken Essen und Eis schon wieder, nur Harri hat es offenbar den Appetit verschlagen. Nach 40 Minuten geht Sascha zum Bahnhof hinüber und später noch einmal Harri, der bald mit Ellen und einem Tramper zurück kommt. Groß ist die Wiedersehensfreude bei allen, insbesondere bei Torsten.

Gegen 21 Uhr brechen wir vom Motel aus auf und nehmen den Tramper mit. Beim Versuch Liberec zu verlassen, verirren wir uns etwas und kurven auf den Straßenbahnschienen und in mehreren Sackgassen umher. Auf einer kleinen Nebenstraße nahe der polnischen Grenze werden dann schließlich alle Märchenerzähler Lügen gestraft, denn es gibt ihn doch! Rübezahl! Rübezahl steht leibhaftig im Scheinwerferlicht vor uns und rudert mit den Armen, als wolle er fliegen. In seiner linken Hand hält er einen gewaltigen Spazierstock. Ich halte an und unser Tramper fragte ihn nach dem rechten Weg. Schwankend wie ein Butterdampfer bei Windstärke 10 näherte er sich dem Auto und weist uns den Weg. Rübezahl ist voll wie eine Haubitze!


Dienstag, der 3. Oktober 1995

Um 7.45 Uhr beginne ich mit dem Einsammeln der Worte zum Dienstag. Für unsere verehrte Leserschaft hier nun das Umfrageergebnis ...

Regina: "Ich bin ganz schön müüüde ... gääääähhhnn ... zzzzz ... pfffff."

Arian: "Ich will morgen in den Kindergarten, ich bin auch müde."

Sascha: "Wenn Du mich noch einmal so früh weckst eeehhhhh ... murmel ... grunz ... schmatz, dann ... zzzzz ..."

Um 10.15 Uhr sind wir dann endlich mit Frühstück, Abwasch und Trödeln fertig. Insbesondere Trödeln hält ja immer mächtig auf.

Rolf, Harri, Ellen, Arian, Regina, Torsten & SaschaGegen 17 Uhr sind wir wieder vom Tagesausflug zurück. Ursprünglich wollten wir in der Gegend von Spindleruv Mlyn (ehemahls deutsch Spindlers Mühle) wandern, haben es uns aber noch im Auto anders überlegt und sind nach Horny Miseky gefahren. Dort bleibt der Bus gegen Gebühr auf dem Parkplatz zurück und wir decken uns im Sportladen erst mal mit Socken ein. Danach beginnt der Anstieg zum 1406 Meter hohen Vrbatova b (Warum der so heißt weiß ich leider auch nicht). Das Wetter klart zunehmend auf und am Gipfel scheint dann sogar die Sonne. Es offenbart sich ein schöner Rundblick über das Riesengebirge und die anschließende Einkehr in die Baude ist sowieso Pflicht. Hier stärken wir uns bei einer Brotzeit mit Knödeln und Bier. Die Rückkehr zum Parkplatz erfolgt über die rote Route.

Wir steigen am Haus nur kurz aus, während Ellen und Harri noch Brot und Kuchen besorgen. Sascha und Torsten verschwinden sofort mit dem Luftgewehr im Garten. Sie haben sich mit Filzstiften auf Papier Zielscheiben gemalt und hängen diese mit Wäscheklammern an der Wäscheleine auf.


Mittwoch, der 4. Oktober 1995

Heute bin ich schon um 7 Uhr aufgewacht und aufgestanden, da Arian wieder einmal bei uns quer im Bett lag. Sein Kopf an meinem Kopf und die Füße auf Reginas Kopf. So hat er uns beide immer unter Kontrolle. Die Jungs sind auch schon wach wie ich runter komme, Sascha ist sogar schon beim Frühstückstisch decken und Kaffee kochen. Um 7.37 Uhr sitze ich alleine vor meinem Kaffee am Frühstückstisch. Auch um 7.45 Uhr und sitze ich immer noch alleine am Tisch, nur mein Kaffee hat inzwischen eine hellbraune Farbe angenommen, da Regina Milch von oben mitgebracht hat. Dummerweise haben wir bei unseren Einkäufen die Dosensahne vergessen. Das Thema vor dem Frühstück ist wieder einmal das Wetter. Morgens noch neblig trüb kann es schnell aufklaren, oder aber es bleibt vorerst wie es ist.

Auf dem Tagesprogramm steht heute die Schneekoppe. Das Auto haben wir gegen 10 Uhr auf dem bewachten Parkplatz in Pec abgestellt und sind frohen Mutes los gewandert. An der Talstation des 1. Sessellifts angekommen, stellen wir fest, dass wir nicht die Einzigen sind, die heute auf die Schneekoppe wollen. Etwa 1½-2 Stunden Wartezeit in Gestalt einer Warteschlange liegen vor uns. Nach kurzer Beratung entscheiden wir uns für den Trampelpfad durch den Wald gen Gipfel. Der Weg ist steil und ohne Ende. Mit zunehmender Wegstrecke bleibt Ellen mehr und mehr zurück. Wie sie abends feststellt, trägt sie in ihrem Rucksack als Ballast ein paar Steine spazieren, die ihr Torsten eingepackt hat. Kurz vor der Bergstation des 1. Lifts kehren wir in der Baude ein. Von der Bergstation fahren wir schließlich mit der Sesselbahn talwärts, da keiner mit mir weiter zum Gipfel wandern will und die Gipfelsesselbahn leider außer Betrieb ist.

Auf dem Rückweg besuchen wir eine Galerie, wo wir ein paar Kleinigkeiten erstehen. Sascha kauft einen farbigen Papagei aus Holz, der aufgehängt mit den Flügeln schlägt und Ellen als Andenken eine Tasse. Im nächsten Ort findet Sascha in einem Fahrradladen eine passende, lange Radfahrerhose. Leider werden hier Kreditkarten nicht akzeptiert und wir akzeptieren nicht die obligatorischen 5 % Wechselgebühr, so bleibt die Hose im Laden. 

Wasserfall in der Adrspacher FelsenstadtDonnerstag, der 5. Oktober 1995

Der Tag beginnt früh: Arian wird wach und um 6.15 Uhr ist somit auch für mich die Nacht vorbei. Draußen strahlt die Sonne am makellos blauen Himmel. Ich lese ihm noch das Märchen von ‘Rotkäppchen’ vor, dann stehen wir auf. Harri ist heute auch schon früh hoch und mit dem Auto unterwegs, Frühstück holen. Ich mache kurz den Abwasch von gestern Abend und bereite dann den Frühstückstisch vor. Unsere Frauen wühlen sich derweil noch durch die Kissen. Nach dem Frühstück übe ich mich mit Sascha zusammen im Scheibenschießen, danach üben noch Torsten, Ellen und Harri. Heute steht die Felsenstadt Adrspach auf dem Programm. Vorher machen wir aber noch einen Stadtbummel durch Vrchlabi, wo wir einige Kleinigkeiten einkaufen. Gegen 17 Uhr sind wir wieder am Auto und wollen eigentlich noch schnell über die Grenze nach Polen voll tanken. Als wir nach dem Weg fragen, erfahren wir, dass der Grenzübergang zwar auf der Karte vermerkt ist, aber noch gar nicht geöffnet ist und die Tankstellen auf der anderen Seite sowieso schon um 17 Uhr schließen. So tanken wir an der nächsten tschechischen Tankstelle für ein paar Kronen nach. Auf dem Heimweg kehren wir in einem Restaurant ein und essen zu Abend. Bald nach unserer Ankunft zu Hause geht Sascha zu Bett. Er ist in diesem Urlaub eigentlich immer einer der Ersten, der Abends in der Falle verschwindet. Um 22.45 Uhr herrscht dann Ruhe im Haus. Das Wetter war heute überwiegend recht trübe, morgens gegen 8 Uhr hatte sich der Himmel wieder total zugezogen und erst gegen ¼ 17 Uhr ließen die Wolken wieder etwas Blau durch. Es war eben richtiges "Riesengebirgs-Wetter". 

 


Freitag, der 6. Oktober 1995

Das Wort zum Freitag von Arian (genannt: ‘Der Quirl’, da er immer in den Tassen herum rührt): "Milch rein gemacht!" (Er macht immer Milch in Papas Kaffee.)

Alles sitzt um 8.15 Uhr am Frühstückstisch, nur Sascha ist noch nicht da, er wäscht sich gerad' die Haare. Ich war heute früh schon Brötchen holen, 10 normale Brötchen und 7 Mohnbrötchen für 19 Kr, (1,05 DM). Da kann man nich’ meckern, was?

Unser Quirl hat soeben seine Tasse umgeworfen und den ganzen Tee über den Tisch verteilt. Arian zappelt heute besonders viel herum, hat er etwa von Ellen’s starkem Kaffee getrunken?

So wie Ellen Kaffee kocht ist uns allen nun klar, warum Harri am Liebsten Tee trinkt. Ellen hat den Kaffeefilter recht großzügig mit Kaffee gefüllt, der Filter ist bis zum Rand mit Kaffeegrund gefüllt. Nach dem Frühstück sind Torsten und Sascha mit dem Luftgewehr in den Garten gegangen schießen und wir bereiten alles für den heutigen Ausflug vor.

In Rokytnice kaufe ich mir Skier mit Bindung , sowie Skistöcker für zusammen 6.185 Kr (umgerechnet sind das 341 DM). Weiter geht's zur Grenze nach Harrachov, denn wir wollen nach Szklarska Poreba. An der Grenze aber ein Riesenstau, er rückt und rührt sich nicht und so kehren wir nach 10 Minuten wieder um und fahren nach Harrachov zurück. Hier bummeln wir durch ein paar Geschäfte die Glaskunst anbieten und decken uns mit Andenken ein. Rübezahl aus Glas steht bei uns besonders hoch im Kurs. Insgesamt haben wir 4 Figuren gekauft. Anschließend fahren wir weiter zur Mummel und machen dort einen Spaziergang am Fluss entlang zum Mummelwasserfall.

Ellen hatte sich anfangs schon etwas Bedenkzeit erbeten und so halten wir auf dem Rückweg nochmals in Harrachov und kaufen weitere Glassachen ein. Letztendlich kann sich Ellen aber doch nicht für eine Glaschale entscheiden. Zurück in Rokytnice kaufen wir noch Lebensmittel und ein paar Kleinigkeiten für die Heimreise und zu Hause ein. Beim Bäcker decken wir uns reichlich mit Kuchen ein und machen ein nettes Kaffeekränzchen zu Haus. Gegen 16.30 Uhr veranstalten wir einen kleinen Schießwettbewerb, den Old Shatterhand Cup, das ist Zielschießen über die Schulter mit einem Spiegel.

Regina hält sich da raus und packt derweil schon mal die Koffer, fleißig wie immer. Nach dem Abendbrot, es gab endlich Spaghetti mit Soße, die wir als Notmahlzeit aus Berlin mitgebracht hatten, packe auch ich meinen Koffer und wir laden schon mal einige Sachen ins Auto. Unsere Jungs sind heute schon früh im Zimmer verschwunden. Danach machen wir uns noch einen netten Abend mit unseren ‘Gästen’ Jan Becher und Karlovy Vary bei einer Flasche Becherova. 

Arian im BlaubeerfeldSamstag, der 7. Oktober 1995

Zwei Stunden standen wir dann an der Grenze nach Polen und schoben uns Stück für Stück an den Übergang heran, immer darauf bedacht, Sprit zu sparen. Sascha hatte einen mächtigen Bammel ("Mir gefriert das Blut in den Adern, ob wir es bis zur nächsten Tankstelle schaffen oder nicht.") ob der Sprit noch bis zur Tankstelle in Polen reicht. 1,5 km nach der Grenze kam dann aber doch schon die erste Tankstelle und Sascha war gerettet (Hatte er Angst, dass er das Auto alleine schieben muss?).

Wir fahren die E 65 in Richtung Jelenia Gora (ehem. dtsch. Hirschberg) und die 297 über Boleslawiec (ehem. dtsch. Bunzlau) nach Zielona Gora (ehem. dtsch. Grünberg). Abseits der Straße legen wir um 13.30 Uhr noch eine kleine Rast ein und stärken uns mit Brot, Wurst und Käse. Um 14 Uhr geht es dann weiter. Um 16.23 Uhr steht die nächste Rast hinter Zielona Gora an und Torsten übt sich im Baumstamm-Weitstoßen. Regina fällt gegen 17 Uhr ein, dass wir für Sonntag früh kein Weißbrot haben. Kaum ausgesprochen haben wir auch schon einen kleinen Laden mit reichhaltigem Angebot gesichtet und das letzte Weißbrot ergattert. Dabei ist das ‘Kuhkaff’ noch nicht einmal auf der Karte verzeichnet, aber hier kriegt man um diese Zeit am Samstag noch Lebensmittel! Was muss Deutschland dagegen erst für ein ‘Kaff’ sein!? Weißbrot und Butter für 1,70 Ztl, also umgerechnet fast genau 1 DM! Gott erhalt’ uns unser verfluchtes Ladenschlussgesetz (und unsere EG-subventionierten Preise)!

Um 18.30 Uhr sind wir wieder auf deutschem Boden. Wider erwarten haben wir an der Grenze (Frankfurt/Oder Stadtbrücke) keine 10 Minuten angestanden. Vorher haben wir aber in Slubice noch einmal vollgetankt. 

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