Loiretour 1994

Kanutour auf der Loire 
von 
Digoin nach Nevers

Um 1:30 Uhr aufwachen und aufstehen ist eins. Regina und auch Sascha sind sofort aus den Federn. Wir frühstücken noch kurz, dann heißt es Abschied nehmen. Regina wird noch zwei kleinere Touren mit ihren "Frohsinn-Kindern" machen und dann mit dem Bus nach Paris und von dort weiter mit der Bahn am Freitag auf dem Campingplatz neben der Loire-Brücke in Nevers eintreffen. 

Ich starte mit meinen Männern um 3:20 Uhr. Solange hat das Verladen der Fahrräder und Boote doch noch gedauert. Den Clipper habe ich zu hause zwischen gelagert, so bleibt uns wenigstens der Umweg nach Tegelort erspart. Ich verlasse über das Schönefelder Kreuz Berlin und fahre über Eisenach, Frankfurt/Main in Richtung Basel. Die A5 verlassen wir hinter Rastatt. Der Grenzübergang Kehl bei Straßburg ist um 18:30 Uhr erreicht. Von hier telefonieren wir mit Regina. Vorher haben wir aber noch ein Bad im Baggersee in den Rheinauen gegen die Hitze genommen. Arian und Sascha sind fantastisch! Während der gesamten Fahrzeit haben die beiden im Auto geschlafen, oder doch zumindest vor sich hin gedöst! Ich wusste gar nicht, dass man solange an einem Stück pennen kann!? Wir machen eine kurze Sightseeing-Tour durch Straßburg, danach geht’s gleich weiter in Richtung Colmar. Abendessen mit Bratkartoffeln und ein kleines Nickerchen unter freiem Himmel hoch oben in den Weinbergen des Elsass hinter Colmar machen wir bei Anbruch der Dunkelheit. Ich lege mich auf eine Decke unter freiem Himmel ins Gras, meine Jungs verziehen sich in den Bus. Von den Weinbergen hat man einen wunderschönen Blick über das Tal und auf ein erleuchtetes Schloss.

Sascha weckt mich gegen Mitternacht, weil ihm das Wetterleuchten zu unheimlich wird. Kaum sind wir weitergefahren, bricht ein Unwetter mit Sturm und Regen über uns herein, so dass wir neben der Straße halten müssen, um "abzuwettern". Arian kriegt absolut nix mit, er schlummert friedlich in seinem Sitz. Ich mach es mir diesmal auf dem Fahrersitz "gemütlich". Nach dem Unwetter bin auch ich einigermaßen ausgeschlafen, so dass wir ganz gut vorankommen. Wir fahren über Belfort, Besancon und Dole in Richtung Chalon-sur-Saône. Gegen Morgen halte ich noch ein kleines Nickerchen auf einem Parkplatz neben der Straße, das Wetter ist so la la, es nieselt und der Himmel ist trübe. Danach füllen wir den Reservekanister ein und suchen eine Tankstelle - was kein Problem ist - und eine Bäckerei (Boulangerie) - was gar nicht so einfach ist - um uns mit frischen französischen Croissants zu stärken. Erst gegen 9 Uhr werden wir fündig. Die Croissants verspeisen wir während der Fahrt, ich will runter von der Straße aufs Wasser. Sehr schön ist die Strecke auf der D 974, die uns unmittelbar am Canal du Centre entlang führt. Über Paray-le-Monial erreichen wir gegen 12 Uhr den Campingplatz in Digoin an der Loire.

In Digoin
Start vom Campingplatz in Digoin, Arian, der Clipper und unser Bully

Nach dem Ausladen können wir endlich um 14 Uhr lospaddeln. Die ersten Tage bläst uns ein kräftiger Westwind ins Gesicht, was das Vorwärtskommen erschwert. Nachmittags finden wir einen schönen Platz am Ufer und schlagen unser Zelt auf. Das Wetter war tagsüber recht angenehm, es nieselte einmal sogar etwas. Am nächsten Tag paddeln wir nach dem Frühstück gegen 12 Uhr weiter. Gegen 16 Uhr erreichen wir die Brücken von Diou. Zwischen den Brücken lauern Pfähle und Steine auf sensible Bootsrümpfe. Wir haben keine Probleme, aber nachfolgende Paddler landen auf der Sandbank in der Flussmitte an, um ihr Holzkanu wieder dicht zu kriegen. Wir haben am linken Ufer angelegt. Sascha läuft zur Straße hoch, Müll wegbringen und ist danach auf der Suche nach einem Einkaufsladen. Arian rennt derweil im Wasser herum während ich Tee koche.

Rast an der Loire
Rast an den Brücken von Diou, Arian & Sascha

Bald kommt Sascha zurück, einen Laden hat er nicht gefunden, also fahren wir gleich weiter. Um 17 Uhr erreichen wir den Campingplatz von Diou. Ich frage Sascha ob er lieber auf den Platz ginge, oder aber wild zelten will. Er will auf den Platz, also bleiben wir in Diou. Es ist ein kleiner, aber sehr gepflegter Rasenplatz. Außer uns zeltet hier nur noch die Paddelgruppe, die vor uns in Digoin gestartet ist. Etwas abseits stehen noch ein paar Wohnwagen auf parzellierten Flächen. Hier verbringen wir auch noch den folgenden Tag.  

Start in den Morgen
Beladen der Boote am Campingplatz in Diou

Am Donnerstag starten wir in aller Frühe - was insbesondere bei Sascha selten ist, da er ein Langschläfer ist. Gegen 11 Uhr kurz nach dem Start treffen wir etwa zwei Kilometer hinter dem Campingplatz auf ein altes Naturwehr, wo ich mir auch prompt das Boot kaputt fahre (s. Bild unten). Vor dem Wehr liegen noch zwei leichte Schwälle, wovon der erste schon vom Campingplatz aus sichtbar ist (siehe Bild oben). Unter Wasser lauert im Wehr eine messerscharfe Klamotte auf mich. Durch den Aufprall kentere ich beinahe, kann mich aber noch fangen. Dafür bleibe ich am nächsten Felsen in der Strömung hängen und springe mit meinem Sicherungsseil über Bord. Ich werfe Sascha das Seilende zu und er zieht mich an Land, wo wir das Boot ausräumen. Dabei sehe ich auch den Schaden am Unterwasserschiff. Der Clipper ist trotz seines geringen Gewichts - ich trage ihn locker mit einer Hand - äußerst stabil, wofür seine Außenhaut aus Royalex (eine Weiterentwicklung von Kevlar) sorgt. Allerdings ist das Gelcoat beschädigt und dann sollte man eingreifen, damit keine Feuchtigkeit ins Gewebe zieht. Zum Glück habe ich Reparaturmaterial dabei und kann den Schaden noch am Wehr ausbessern. 

Naturwehr in der Loire
Naturwehr in der Loire kurz nach Diou, Sascha fährt im Kajak durchs Wehr (Bildmitte)

Vor dem Wehr habe ich rechts angelegt, das Wehr besichtigt und Arian ausgeladen. Bei dem niedrigen Wasserstand ist das Wehr nur für leichte Boote rechts fahrbar. Das linke Ufer ist schlammig und der Fluss an dieser Stelle verblockt. Treideln ist natürlich auch möglich, man kann am Wehr auch im Fluss stehen. Sascha ist dann mit seinem Kajak locker durch gefahren, aber mein Lastkahn hat doch mehr Tiefgang. Dieses Naturwehr sieht eher harmlos aus, aber wenn man nicht genug Wasser unter dem Kiel hat, wird es kritisch, da die Steine sehr scharf sind. Die Bootshaut des Clipper ist wie gesagt aus sogenanntem Royalex, einem weiter entwickelten Kevlargewebe, also eigentlich unverwüstlich! Für beladene Holzboote ist dieses Wehr bei diesem niedrigen Wasserstand absolut unfahrbar!

Reparatur am Clipper
Reparatur am Clipper

Am nächsten Rastplatz, den wir erst am späten Nachmittag erreichen, baden wir sehr häufig in der Loire. Hier ist auch ein deutliches Umdenken bei Arian festzustellen. Anfangs war es ihm gar nicht so geheuer, im Fluss herumzulaufen. Er will immer wieder auf meinen Arm. Hier aber ignorieren wir sein Gemecker und fortan ist das Kind eine echte "Wasserratte". Besonders gern tobt er mit Sascha im Wasser herum. Sogar die Haare muss ich Ihm im Fluss waschen.

mmh, Spaghettis
mmh, Papas Spaghettis sind lecker !

Am Samstag fahren wir früh los, da wir Proviant kaufen wollen, insbesondere Trinkwasser brauchen wir. Der nächste Ort ist jedoch zu klein, kein Laden weit und breit. Trinkwasser holt Sascha schließlich bei einem Bauern. Dabei treibt sein Paddel ab, da er es im Wasser hat liegen lassen. Auch ich habe leider nicht aufgepasst. An der nächsten Insel paddle ich links entlang, Sascha mit den Händen rechts vorbei. Die Insel ist verdammt lang und kein Paddel zu sehen. Am Ende der Insel warte ich auf Sascha. Es dauert eine ganze Weile bis er schließlich in aller Ruhe, dafür aber mit Paddel ankommt. Es hatte sich in einem Strauch verfangen - Schwein gehabt, sonst hätte er bis Nevers mit den Händen paddeln können. Unser nächster Rastplatz ist urgemütlich, mit schöner Aussicht über den Fluss. Das Wetter hat sich geändert, es ist jetzt sehr warm. Wir bewegen uns den ganzen Tag über nackend. Hier ist Buddeln angesagt. Arian ist happy. Zum Glück haben wir seine drei Fischer Price Autos mitgenommen. Dieses Spielzeug ist sehr robust und nicht klein zu kriegen, absolut ideal für den harten Einsatz im Sand! Von daher ist es mir völlig unverständlich, dass dieses Spielzeug vom Markt verschwunden ist. Aber wahrscheinlich ist es gerade diese extreme Robustheit, die das Aus bedeutete. 

Heute graben wir einen Kanal und wollen Fische fangen. Klappt aber leider nicht, die Burschen sind zu gewitzt. Auch Sascha hat sich mittlerweile daran gewöhnt, nackend herum zulaufen. Zum Glück haben wir das Sonnensegel dabei, sonst wäre es nicht auszuhalten. Hier lassen wir 2 Tage lang die "Seele baumeln", ohne dass Langeweile aufkommt. Im Faulenzen sind wir ein unschlagbares Team.

meine Matschepampe
Die Strände der Loire sind ein wahres Buddelparadies für Kinder

Am Montag brechen wir nach dem Frühstück auf. Wir sehen sehr schöne Zeltplätze am Ufer, aber allesamt von "Dauercampern" belegt. Bald ist es mit den schönen Plätzen erst mal vorbei, wir sind in Decize gelandet, wo ich in einer Bar am Fluss ein kühles Bier trinke und Arian eine Cola. Sascha bleibt lieber im Boot. 300 Meter weiter liegt rechts auf der anderen Seite direkt am Ufer ein Eiscafé. Das ist endlich auch nach Saschas Geschmack. Hier rasten wir ausgiebig bei Eis, Cola und Bier. 200 Meter weiter liegt neben den Bootsliegeplätzen ein Supermarkt, wo ich noch schnell um 5 vor 12 Uhr Lebensmittel einkaufe. Frischwasser bunkern wir an den Liegeplätzen. Einen Kilometer weiter ist ein kleines Kraftwerk und ein riesiges Wehr. Das Umtragen ist mühsam und kostet uns eine volle Stunde. Hier sollte man mit dem Boot nicht zu nah an das Wehr heranfahren, dahinter geht's senkrecht etwa 5 Meter auf den blanken Fels hinab !!! Links vor dem Kraftwerk kann man bequem am Überlauf (alles aus solidem Beton) anlegen, danach wird's aber unbequem, da es keine Treppe oder Stufen gibt und man die gesamt Ausrüstung über diese Betonrutsche bewegen muss. Den Bootswagen kann man sich gleich abschminken, hier ist echte Man-Power gefragt! Anschließend sind es - je nach Wasserstand der Loire - noch etwa 20 Meter bis zum Wasser, wo man wieder alles in den Booten verstauen kann.

Arian & Sascha am Naturwehr in Imphy
Arian & Sascha am Naturwehr in Imphy

Bis um 21 Uhr suchen wir einen Platz, bis wir endlich fündig werden. Jetzt sind wir aber nur noch 11 Kilometer von Nevers entfernt. So entschließen wir uns am nächsten Morgen - falls wir nicht doch noch ein tolles Plätzchen finden - bis nach Nevers zu paddeln. In Imphy stoßen wir auf ein weiteres Wehr, diesmal aus scharfkantigen Natursteinen. Rechts ist es fahrbar, die Strömung zielt aber direkt auf eine Steinbarriere, mit einem vollbeladenen Canadier und einem Kleinkind vorn ein unkalkulierbares Risiko !!! Durchfahren traut sich Sascha auch nicht, also rein ins Wasser in voller Montur und die Boote vorsichtig von Hand treideln. Das mit dem tollen Platz wird leider nichts mehr und so erreichen wir Nevers schon am Dienstag gegen 15 Uhr.

Arian an der Brücke von Nevers
Arian an der Brücke von Nevers


Wir sind die Tour bewusst ruhig angegangen, ein Tag paddeln, ein oder zwei Tage Pause. Das ist ein Rhythmus, bei dem man sich ganz gut erholen kann. Die Verpflegung haben wir überwiegend aus Berlin mitgebracht. Auf der Anfahrt haben wir noch kurz vor Digoin frisches Obst und Gemüse eingekauft. In Diou und in Decize konnten wir richtig Proviant einkaufen, ansonsten gab es keine Gelegenheiten. Am ersten Wehr ist mir leider das Boot halbvoll Wasser geschlagen, dadurch sind ein paar Lebensmittel in der Zargesbox nass geworden. Gottlob mussten wir aber nur den Zwieback wegschmeißen. Vor der nächsten Tour muss ich unbedingt die Boxen mit Silicon abdichten! Die Auswahl in der Verpflegungskiste war aber so reichhaltig und auch recht ausgewogen, dass wir keine Mangelerscheinungen hatten, jeder war eigentlich mit dem Essen zufrieden.

Die Loire ist meist sehr flach, so dass man auch in der Flussmitte Gefahr läuft aufzusetzen, wenn man die Wasseroberfläche nicht immer im Auge hat. Die Zahl der Sandbänke und Flussinseln nimmt nach Nevers hin zu, die Wasserqualität leider ab. Aber selten sind die Inseln auch zum Zelten geeignet, da sie oftmals aus feinem bis mittelgrobem Kies bestehen, in dem kein noch so langer Hering hält. Nicht einmal haben wir während der Tour schlammigen oder morastigen Untergrund vorgefunden. Das gesamte Flussbett der Loire besteht offensichtlich nur aus feinem bis grobem Kies. Auf Grund der geringen Wassertiefe hat das Wasser eine Temperatur von etwa 25 Grad C. In Richtung Nevers nimmt der Verschmutzungsgrad deutlich zu. Das liegt wohl an den vielen Rindern, die die Uferwiesen bevölkern.

Während der ganzen Kanutour gab es absolut keine Probleme mit Arian oder Sascha. Meine Befürchtungen, dass Arian die Zeit beim Paddeln zu lang und das Platzangebot im Kanadier zu klein sein könnten, erweisen sich als absolut unbegründet. Arian macht es eine besondere Freude mit seinem kleinen Paddel mitzupaddeln. Anfangs hatte er Schwierigkeiten mit der Richtung, aber das kriegte er schnell hin. Ansonsten planscht er mit seinen Händen im Wasser herum oder macht ein Nickerchen.

Mein Auto habe ich auf dem Campingplatz in Digoin stehen lassen. Das kostet pro Tag 6 FF. Mit der Bahn bin ich dann über Moulins/Allier (hier umsteigen) nach Digoin gefahren und habe das Auto geholt.

Nacht in Nevers
Blick vom Campingplatz über die Loire auf Nevers


Kanuverleiher:

Camping "La Chevrette" in 71160 Digoin (vom 1. März - 31. Oktober geöffnet), Tel. (+33) 0385531149, Fax (+33) 0385816443, verleiht ab 9. Juni Kanus & Kajaks

Preise (1994): Kanu 400 FF für 2 Tage (2 Sitzer), Kajak 250 FF für 2 Tage (1 Sitzer), also für 4 Tage (2 Personen) incl. 2 Paddel, 2 Tonnen, 2 Schwimmwesten und Rückhol-Service werden etwa 618 FF fällig.

Touristenbüro in Digoin (im Keramikmuseum): 8, rue Guilleminot, 71160 Digoin, Tel. (+33) 0385530081, Fax (+33) 0385532754


Weiter zur nächsten Kanutour 1996 auf der Loire von Nevers bis nach Châtillon-sur-Loire

Die französischen Châteaux findet man im Internet unter http://www.chateaux-france.com


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